Irgendwo zwischen Sulawesi, Papua und Timor liegen die Molukken,
unzählige kleinere sowie grössere Inseln verstreut im weiten Ozean. Die Inseln
wurden im 16. Jahrhundert durch die Europäer (zuerst Portugiesen, später dann
Holländer) kolonialisiert – dabei spielte vor allem der Handel mit Gewürzen
eine zentrale Rolle. Heutzutage sind die Molukken für den Gewürzhandel nicht
mehr von Bedeutung und auch auf der Landkarte der meisten Touristen stehen
diese Inseln nicht an oberster Stelle. Nicht zuletzt wegen ethnischen bzw.
religiös motivierten Konflikten (zwischen Christen und Muslimen), die bis 2002
immer wieder für Reisewarnungen sorgten (heute sind diese Spannungen weitgehend
gelöst). Auch die teils schlechte verkehrstechnische Erschliessung der Inseln
ist ein Grund, weshalb viele Indonesien-Reisende von einem Besuch der Molukken
absehen und andere Regionen vorziehen. Da wir mit einem genügend grossen
Zeitbudget gesegnet sind, war es für uns Grund genug, diese Inseln aufzusuchen und
zu bereisen.
2 Tage vor Weihnachten sind wir in Ambon gelandet. Rund 35
Stunden waren wir unterwegs – leider gab es keine (einigermassen preiswerte)
schnellere Option, von Zürich nach Ambon zu gelangen. Die Anreise war schlussendlich
halb so schlimm wie wir uns dies vorgestellt hatten. Ambon ist nicht allzu
sehenswert und diente uns nur als Basis, um die Weiterreise zu organisieren.
Nach 2 Tagen stiegen wir somit schon wieder in den nächsten Flieger zu den Kei
Islands. Die einzige halbwegs zuverlässige Fluggesellschaft, die diese Inseln
von Ambon aus anfliegt, ist zurzeit Wings Air. Der Slogan „Fly is cheap“ dieser
Fluggesellschaft hat uns zwar ein bisschen nachdenklich gestimmt, jedoch ging
schlussendlich doch alles gut – vielleicht auch dank der Gebetskarten, die in
diesem Flugzeug in jeder Sitztasche vorzufinden waren. Klar nach dem Motto:
Gott wird es schon richten, falls etwas schief läuft. Beim Anflug auf den
Mini-Flughafen war es ziemlich regnerisch, dennoch war die Sicht von „oben“ auf
die kleinen Koralleninselchen und Atolle spektakulär.
Schon vor der Ankunft haben wir uns via SMS ein Bungalow
direkt am Meer reserviert – es gibt auf der Hauptinsel nämlich nur drei
Unterkunfts-Möglichkeiten und ein paar wenige Homestays. Ein etwas schräger Typ
(eine Art indonesischer Hippie – noch nie so gesehen in Indonesien) hat uns in
Empfang genommen und in einem seiner vier Bungalows untergebracht. Ein grosses
Hobby von Ihm schien, sich schon um die Mittagszeit mit „Sopi“ – ein
indonesischer Kokosschnaps, meist selbst-gebrannt – abzufüllen und danach die
wenigen Touristen vollzuquatschen. Gegen 18 Uhr war er dann jeweils dermassen
parat, dass er es vorzog, die Stereoanalage am Strand zu bedienen als uns etwas
zu Essen zu kochen. So kam es, dass wir oft erst nach 21 Uhr unser Abendessen
bekamen (das Morgenessen fand dafür auch erst so gegen 12 Uhr statt, da unser
Gastgeber dann ausschlafen musste). Wir waren uns zeitweise nicht so ganz
sicher, ob das der richtige Ort war, um Weihnachten und Neujahr zu verbringen.
Nach einigen Gesprächen stellte sich heraus, dass der Gastgeber sich mit seiner
Frau (die sonst immer kochte) verkracht hatte, die dann über die Weihnachtstage
kurzerhand abreiste. Trotz diesen Eskapaden war das Essen, das uns geboten
wurde sehr sehr lecker. Meist gab es einen grossen Fisch, gegrillt auf dem
Feuer direkt am Strand und dazu Gemüse, Reis, Kartoffeln etc. Gegen Silvester
kam dann sogar seine Frau zurück und es kehrte wieder Normalität ein – kein
Sopi-Gelage mehr, geregelte Essenszeiten und (wie sich dann schlussendlich
herausstellte) war er auch ein sehr guter Gastgeber.
Auf der Insel haben wir jeweils mit einem gemieteten
Motorrad ein paar Touren unternommen. Die Strassen sind nicht immer sehr gut
(teils sehr holprig) und wir kamen eher langsam voran. Aber die Mühe hat sich
jeweils gelohnt. Wir kamen zu Dörfern, wo die Einheimischen offensichtlich nur
selten weisse Leute zu Gesicht bekommen. Aus allen Ecken schrien die Menschen
„Hey Mister“ und wir zogen jeweils etliche Blicke an. Sind wir in einem Dorf
mal vom Motorrad abgestiegen, versammelten sich sämtliche Familien der
umliegenden Häuser um uns und bestaunten den grossen Herrn mit der grossen Nase
und der kleinen Dame im Schlepptau. Die Einheimischen zeigten immer wieder auf
meine Nase und sagten „bagus“ – was übersetzt soviel wie „gut“ heisst. Die
Leute hier scheinen sehr offen und interessiert zu sein, sprechen jedoch kein
Wort Englisch, so dass wir uns meist mit Händen/Füssen und unserem
bruchstückhaften Indonesisch (zugegebenermassen auf eher grundlegendem Niveau)
verständigten. Es ergaben sich somit immer wieder lustige Fotosessions mit den Einheimischen
– ein paar Fotos möchten wir den Lesern nicht vorenthalten.
Die Strände auf Kei sind paradiesisch und menschenleer. Das
Türkisblaue, glasklare Wasser sowie die dichten Palmenwälder im Hintergrund
lassen die Vorstellung eines idealen Sandstrandes wahr werden. Besonders ins
Auge gestochen ist uns der Strand beim Dorf Ohoidertutu (siehe Bild). Meist
gibt es nur eine Handvoll (teils auch gar keine) Touristen. Man findet hier
weder nervende Strandverkäufer noch irgendwelche Resorts oder Häuserblocks, die
die Idylle stören könnten. Wie lange dies wohl noch so bleiben wird?
Nicht fehlen durften natürlich die Schnorchelausflüge. Mit Scott
und Lucy aus Perth, mit denen wir uns gut verstanden, und zwei weiteren
Passagieren sind wir mit einem Holzboot auf benachbarte Inseln geschippert und
haben die Unterwasserwelt bestaunt. Das stundenlange Schnorcheln in glasklarem
Wasser blieb aber nicht ohne Folgen für unsere Rücken – Dr. Après-Soleil kam zu
seinem ersten (und hoffentlich letzten) Einsatz.
Die Reise auf den Molukken geht weiter – wo die nächste
Destination sein wird, wissen wir meist selbst noch nicht – der Reiseverlauf
ist ziemlich abhängig von den verfügbaren Transport-Möglichkeiten, dem Wetter
sowie von Tipps anderer Reisenden.
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