Donnerstag, 2. Januar 2014

Weihnachten auf den Kei Islands

Irgendwo zwischen Sulawesi, Papua und Timor liegen die Molukken, unzählige kleinere sowie grössere Inseln verstreut im weiten Ozean. Die Inseln wurden im 16. Jahrhundert durch die Europäer (zuerst Portugiesen, später dann Holländer) kolonialisiert – dabei spielte vor allem der Handel mit Gewürzen eine zentrale Rolle. Heutzutage sind die Molukken für den Gewürzhandel nicht mehr von Bedeutung und auch auf der Landkarte der meisten Touristen stehen diese Inseln nicht an oberster Stelle. Nicht zuletzt wegen ethnischen bzw. religiös motivierten Konflikten (zwischen Christen und Muslimen), die bis 2002 immer wieder für Reisewarnungen sorgten (heute sind diese Spannungen weitgehend gelöst). Auch die teils schlechte verkehrstechnische Erschliessung der Inseln ist ein Grund, weshalb viele Indonesien-Reisende von einem Besuch der Molukken absehen und andere Regionen vorziehen. Da wir mit einem genügend grossen Zeitbudget gesegnet sind, war es für uns Grund genug, diese Inseln aufzusuchen und zu bereisen.

2 Tage vor Weihnachten sind wir in Ambon gelandet. Rund 35 Stunden waren wir unterwegs – leider gab es keine (einigermassen preiswerte) schnellere Option, von Zürich nach Ambon zu gelangen. Die Anreise war schlussendlich halb so schlimm wie wir uns dies vorgestellt hatten. Ambon ist nicht allzu sehenswert und diente uns nur als Basis, um die Weiterreise zu organisieren. Nach 2 Tagen stiegen wir somit schon wieder in den nächsten Flieger zu den Kei Islands. Die einzige halbwegs zuverlässige Fluggesellschaft, die diese Inseln von Ambon aus anfliegt, ist zurzeit Wings Air. Der Slogan „Fly is cheap“ dieser Fluggesellschaft hat uns zwar ein bisschen nachdenklich gestimmt, jedoch ging schlussendlich doch alles gut – vielleicht auch dank der Gebetskarten, die in diesem Flugzeug in jeder Sitztasche vorzufinden waren. Klar nach dem Motto: Gott wird es schon richten, falls etwas schief läuft. Beim Anflug auf den Mini-Flughafen war es ziemlich regnerisch, dennoch war die Sicht von „oben“ auf die kleinen Koralleninselchen und Atolle spektakulär.

Schon vor der Ankunft haben wir uns via SMS ein Bungalow direkt am Meer reserviert – es gibt auf der Hauptinsel nämlich nur drei Unterkunfts-Möglichkeiten und ein paar wenige Homestays. Ein etwas schräger Typ (eine Art indonesischer Hippie – noch nie so gesehen in Indonesien) hat uns in Empfang genommen und in einem seiner vier Bungalows untergebracht. Ein grosses Hobby von Ihm schien, sich schon um die Mittagszeit mit „Sopi“ – ein indonesischer Kokosschnaps, meist selbst-gebrannt – abzufüllen und danach die wenigen Touristen vollzuquatschen. Gegen 18 Uhr war er dann jeweils dermassen parat, dass er es vorzog, die Stereoanalage am Strand zu bedienen als uns etwas zu Essen zu kochen. So kam es, dass wir oft erst nach 21 Uhr unser Abendessen bekamen (das Morgenessen fand dafür auch erst so gegen 12 Uhr statt, da unser Gastgeber dann ausschlafen musste). Wir waren uns zeitweise nicht so ganz sicher, ob das der richtige Ort war, um Weihnachten und Neujahr zu verbringen. Nach einigen Gesprächen stellte sich heraus, dass der Gastgeber sich mit seiner Frau (die sonst immer kochte) verkracht hatte, die dann über die Weihnachtstage kurzerhand abreiste. Trotz diesen Eskapaden war das Essen, das uns geboten wurde sehr sehr lecker. Meist gab es einen grossen Fisch, gegrillt auf dem Feuer direkt am Strand und dazu Gemüse, Reis, Kartoffeln etc. Gegen Silvester kam dann sogar seine Frau zurück und es kehrte wieder Normalität ein – kein Sopi-Gelage mehr, geregelte Essenszeiten und (wie sich dann schlussendlich herausstellte) war er auch ein sehr guter Gastgeber.

Auf der Insel haben wir jeweils mit einem gemieteten Motorrad ein paar Touren unternommen. Die Strassen sind nicht immer sehr gut (teils sehr holprig) und wir kamen eher langsam voran. Aber die Mühe hat sich jeweils gelohnt. Wir kamen zu Dörfern, wo die Einheimischen offensichtlich nur selten weisse Leute zu Gesicht bekommen. Aus allen Ecken schrien die Menschen „Hey Mister“ und wir zogen jeweils etliche Blicke an. Sind wir in einem Dorf mal vom Motorrad abgestiegen, versammelten sich sämtliche Familien der umliegenden Häuser um uns und bestaunten den grossen Herrn mit der grossen Nase und der kleinen Dame im Schlepptau. Die Einheimischen zeigten immer wieder auf meine Nase und sagten „bagus“ – was übersetzt soviel wie „gut“ heisst. Die Leute hier scheinen sehr offen und interessiert zu sein, sprechen jedoch kein Wort Englisch, so dass wir uns meist mit Händen/Füssen und unserem bruchstückhaften Indonesisch (zugegebenermassen auf eher grundlegendem Niveau) verständigten. Es ergaben sich somit immer wieder lustige Fotosessions mit den Einheimischen – ein paar Fotos möchten wir den Lesern nicht vorenthalten.





Die Strände auf Kei sind paradiesisch und menschenleer. Das Türkisblaue, glasklare Wasser sowie die dichten Palmenwälder im Hintergrund lassen die Vorstellung eines idealen Sandstrandes wahr werden. Besonders ins Auge gestochen ist uns der Strand beim Dorf Ohoidertutu (siehe Bild). Meist gibt es nur eine Handvoll (teils auch gar keine) Touristen. Man findet hier weder nervende Strandverkäufer noch irgendwelche Resorts oder Häuserblocks, die die Idylle stören könnten. Wie lange dies wohl noch so bleiben wird? 




Nicht fehlen durften natürlich die Schnorchelausflüge. Mit Scott und Lucy aus Perth, mit denen wir uns gut verstanden, und zwei weiteren Passagieren sind wir mit einem Holzboot auf benachbarte Inseln geschippert und haben die Unterwasserwelt bestaunt. Das stundenlange Schnorcheln in glasklarem Wasser blieb aber nicht ohne Folgen für unsere Rücken – Dr. Après-Soleil kam zu seinem ersten (und hoffentlich letzten) Einsatz.

Die Reise auf den Molukken geht weiter – wo die nächste Destination sein wird, wissen wir meist selbst noch nicht – der Reiseverlauf ist ziemlich abhängig von den verfügbaren Transport-Möglichkeiten, dem Wetter sowie von Tipps anderer Reisenden.














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