Nun ist es leider schon soweit: Auch die schönen Dinge im Leben haben mal ein Ende. Wir verbringen nun noch die letzten paar Tage in Bangkok, verwöhnen uns mit gutem Essen, besuchen einen Thai-Kochkurs und natürlich darf auch ein wenig Shopping nicht fehlen. Danach geht es endgültig wieder zurück in die Schweiz - ein halbes Jahr sind wir mit unseren Rucksäcken durch Australasien gereist und konnten erfahren, wie wenig es eigentlich zum Leben braucht. Unser gesamtes "Hab und Gut" in unseren Rucksäcken verstaut, hatten wir auch gegen Ende unserer Reise noch das Gefühl, dass wir eigentlich zu viel Material dabei hatten. Es gäbe also noch Optimierungspotential. Obwohl wir uns wieder auf gewisse Annehmlichkeiten sowie Familie und Freunde in der Schweiz freuen, würden wir durchaus noch etwas länger den einfachen Traveller-Lebensstil aushalten. Doch zunächst zu unseren letzten paar Wochen in Indonesien, denn diese waren ziemlich erlebnisreich.
In Labuan Bajo (am westlichen Ende der Insel Flores) haben
wir uns wieder mal mit einer feinen Pizza verwöhnt. Aus irgendeinem Grund gibt
es auffallend viele italienische Restaurants in der Stadt, was dem Ort ein
wenig mediterranes Flair verleiht. Aufgrund der Nähe zum Komodo Nationalpark
haben sehr viele Tauchanbieter ihre Shops in Labuan Bajo und dementsprechend
gibt es auch eine stattliche Anzahl von Touristen in der Stadt (jedoch niemals
so viele wie in Bali). Auch uns hat die Unterwasserwelt von Komodo angelockt,
doch wollten wir nicht die ganze Zeit in der Stadt verbringen. So ergatterten
wir uns eines der letzten Strandbungalows auf der Insel Kanawa. Diese wirklich
paradiesische Insel liegt eine Bootsstunde von Labuan Bajo entfernt und ist
umgeben von einem bunten, sehr gut erhaltenen Korallenriff. Eine Besonderheit
sind die Babyhaie, welche immer wieder in Strandnähe auf und ab schwimmen. Nach
dem ersten Schnorcheln am Korallenriff hatten wir definitiv Lust auf mehr und
haben uns gleich beim inseleigenen Tauchcenter für ein paar Tauchgänge
eingeschrieben.
Bevor wir uns mit den Tauchflaschen ins Abenteuer stürzten,
wollten wir uns die berühmten (und "berüchtigten", siehe: http://www.sueddeutsche.de/reise/warane-auf-komodo-echs-und-hopp-1.1353621-2) Komodowarane
ansehen. Wir machten eine Bootstour direkt auf die Insel Komodo. Ein Ranger,
nur leicht bewaffnet mit einem Holzstock, machte mit uns eine kurze Wanderung
durch die Büsche und prompt sahen wir ihn: Ein dinosaurier-ähnliches Geschöpf,
ziemlich gross und stattlich - den Komodowaran. Wir standen nur wenige Meter
davor und hatten ziemlich grossen Respekt. Trotzdem war es ein schönes
Erlebnis, ein solch seltenes Tier (es gibt sie nur auf Komodo und zwei anderen
Inseln im Nationalpark) in freier Natur zu Gesicht zu bekommen. Nach dem
Komodo-Besuch fuhren wir mit dem Boot gleich weiter zum nächsten Tier-Hotspot:
dem Manta-Point. Wie der Name schon vermuten lässt, wird dieser Ort mitten im
Meer öfters von Mantarochen frequentiert. Vom Boot aus suchten wir eine längere
Zeit das Gewässer ab, bis unser Guide meinte, die Mantas seien nicht da. So
schnell liessen wir uns jedoch nicht abspeisen und stürzten uns - bewaffnet mit
Schnorchelbrille und Flossen - ins Meer. Wir schnorchelten etwa eine halbe
Stunde im Leeren herum und dachten schon bald ans aufgeben. Doch dann sahen wir
in der Ferne ein paar dunkle Gestalten im blauen Wasser - in Reih und Glied
schwammen vier Mantas auf uns zu. Sie waren riesig und es war wunderschön ihnen
zuzuschauen. Wir schnorchelten mit den Rochen noch eine weitere halbe Stunde
herum. Ja, es schien sogar, als ob sie mit uns spielen wollten: Immer wieder
kehrten diese Kolosse um, kamen auf uns zu und schwammen etwa einen halben
Meter an uns vorbei. Teilweise hatten sie dabei das Maul weit aufgesperrt - das
war schon irgendwie furchteinflössend. Da diese Tiere jedoch nur Plankton
filtern, haben sie keine Zähne - huch!
Die kommenden zwei Tage verbrachten wir mit Tauchen. Wir
hatten unter anderem die Möglichkeit in Nord-Komodo zu tauchen, wo sich die
besten Tauchspots der Gegend befinden. Unsere Erwartungen wurden definitiv
übertroffen: wir konnten jede Menge Grossfisch beobachten, darunter riesige
Stachelmakrelen, Barrakudas, Zackenbarsche, Haie, Manta-Rochen und Schildkröten. Ebenfalls hatte es prächtige, sehr gut erhaltene Korallenriffe sowie
riesige Schwärme an Kleinfischen. Diese Schwärme bewegten sich immer wieder hin
und her und um uns herum - wir konnten live beobachten, wie Hai, Makrele &
co. in dieser "Fischsuppe" umherjagten und so den einen oder anderen
Fisch verspeisten. Das war Kino vom feinsten - unser Taucherherz blühte
vollständig auf. Ein kleiner Einblick in die Komodo-Unterwasserwelt verleiht unser zusammengeschnittenes Video (Qualität leider nur durchschnittlich):
Der Flores-Auftakt in Labuan Bajo war sehr gelungen. Somit
starteten wir motiviert unsere Weiterreise auf dem Trans-Flores Highway quer
über die Insel. Naja, "Highway" (wie es die Einheimischen nennen) ist
wohl etwas übertrieben. Es handelt sich um eine ziemlich schmale, heutzutage
geteerte, kurvige Strasse, die über sehr unwegsames Gelände führt. Der Strassenbelag
ist meist nicht in gutem Zustand. Für die 650 km über die Insel
sollte man (je nach Gefährt) so um die 20-25 Stunden Fahrzeit rechnen. Wir sind
meist mit den lokalen Bussen gefahren und mussten feststellen, dass die
Einheimischen die kurvige Strasse und den indonesischen Fahrstil nicht immer
gut vertragen. Die Details möchten wir den Lesern an dieser Stelle ersparen...
Jedoch wurden die Strapazen mit spektakulärer Landschaft belohnt: Die Fahrt
führt immer wieder vorbei an grünen Reisterrassen, tiefen Schluchten,
zerklüfteten Bergen und aufgetürmten Vulkanen. Unseren ersten Halt auf dieser
Strecke legten wir in Bajawa ein.
In Bajawa besuchten wir
die traditionellen Dörfer am Fusse des Vulkans "Gunung
Inerie". Das Ngada Volk hat sich dort vor langer Zeit niedergelassen und
lebt teilweise noch wie vor Jahrhunderten, jedoch mit ein paar modernen
Annehmlichkeiten, sprich: Radio, Fernseher, Handy etc. Den
unverkennbaren Baustil ihrer Häuser haben die Menschen in diesen Dörfern jedoch
beibehalten. Für die Häuser werden ausschliesslich natürliche Materialien wie
Stroh, Blätter und Holz verarbeitet und es werden keinerlei Metallteile dafür
verwendet. Die Häuser sind jeweils in Reih und Glied um einen
Gemeinschaftsplatz angeordnet. Die Strohdächer sind ziemlich hoch und zuoberst
findet man oft verschiedene Dekorationen bzw. Symbole, die der Ahnenverehrung
dienen: war der Ahne eines Clans beispielsweise weiblichen Geschlechts, so ist
auf dem Dach ein kleines Häuschen zu finden, bei einem männlichen Ahnen
hingegen findet man eine Art Puppe bzw. einen Krieger als Zeichen der
Männlichkeit. Obwohl fleissig missioniert wurde und die Ngadas heutzutage
Christen sind, spielt die Ahnenverehrung bzw. der traditionelle Glaube eine
wichtige Rolle. Wir haben die Dörfer mit unserem gemieteten Motorrad erkundet
und wurden überall freundlich in Empfang genommen. Und obwohl die Mundgegend
der meisten Bewohner aufgrund des intensiven Betelnusskonsums feuerrot und die
Zähne zerfressen waren, hatten sie immer ein nettes Grinsen für uns übrig.
"Dr. Best lässt grüssen". Nach den sehr interessanten Dorfrundgängen,
haben wir uns in einer natürlichen heissen Quelle mitten in einem Bambuswald
entspannt.
Ein kleines Flores-Highlight war der Besuch der Kraterseen
auf dem Berg "Kelimutu". Die drei Kraterseen auf dem erloschenen
Vulkan haben eine sehr tiefe Färbung, so dass wir fast das Gefühl hatten, vor
einer riesigen Acryl-Farbpalette zu stehen. Zum Zeitpunkt unseres Besuchs waren
die drei Seen grün, türkis und schwarz gefärbt. Jedoch ändern die Farben zweier
dieser drei Seen alle zwei bis drei Jahre. So kann es sein, dass die Seen mal blau,
orange, hellgrün, braun oder eben türkis und schwarz sind. Für uns waren die
Seen ein super Fotomotiv und einfach sehr schön anzusehen, für die
Einheimischen haben die Seen jedoch eine höhere spirituelle Bedeutung, da die
Geister der Verstorbenen in diesen Seen ruhen.
Den letzten längeren Halt in Flores legten wir bei Maumere
ein, in einem sehr netten Tauchresort. Dort verbrachten wir ein paar Tage mit
tauchen, relaxen und überraschend gutem Essen (was leider in Indonesien nicht
selbstverständlich ist). Die Korallenriffe sind auch da sehr gut erhalten und
teils unberührt - wir hatten das gesamte Tauchgebiet mit den rund 30
Tauchplätzen für uns alleine. Danach ging es von Larantuka mit dem Boot nach
Lembata, eine Insel östlich von Flores.
Lembata hat unsere Aufmerksamkeit erregt, weil im Süden ein
kleines Dorf liegt, das sich voll und ganz dem Walfang verschrieben hat.
Angeblich gehört Lamalera zu einem der wenigen Orte der Welt, wo der Walfang
durch die Vereinten Nationen geduldet wird. Wir waren der Sache gegenüber
ziemlich kritisch eingestellt, wollten aber trotzdem erfahren, was es mit den
Walfängern von Lamalera auf sich hat und uns ein eigenes Bild davon machen. Bis vor einigen Jahren konnte man das
Dorf mit dem motorisierten Fahrzeug noch nicht erreichen. Auch heutzutage führt
nur eine schlecht unterhaltene Naturstrasse vom Inselhauptort Lewoleba nach
Lamalera. Es ist kaum möglich, schneller als 20 km/h auf dieser Strecke zu
fahren, aber dennoch fährt täglich ein Truck sowie ein Bus nach Lamalera und
wieder zurück. Wir wählten den Bus und durften uns beide auf den Vordersitz
quetschen, da wir die einzigen "Buleh's" (so werden in Indonesien die
Leute aus den westlichen Ländern genannt) waren - Luxusklasse also! Der
Walfang wird in Lamalera schon seit mehreren hundert Jahren betrieben und wurde
bis heute nie auf kommerzielle Art und Weise durchgeführt. Es handelt sich auch
nicht um irgendeine "gepushte" Touristenattraktion (und wird es
hoffentlich nie werden). Der Walfang in Lamalera ist bitterer Ernst und der
Lebensunterhalt der Dorfbewohner hängt substantiell davon ab. Da es ein
abgelegenes Dorf auf einer ebenfalls ziemlich abgelegenen und trockenen Insel
ist, sind Lebensmittel und Produkte, welche anderswo in Indonesien üblich sind,
hier keine Selbstverständlichkeit. Auch sauberes Wasser zum Duschen, Abwaschen
etc. ist limitiert und muss mühsam hertransportiert werden. Abgesehen von ein paar einfachen
Homestays ist keinerlei touristische Infrastruktur vorhanden. Dafür
schwimmt das Essen gleich an der Küste von Lamalera vorbei: Verschiedene
Walarten (darunter auch Pottwale) migrieren von Mai bis September im Meer vor
dem Dorf. Mit sehr einfachen, selbst hergestellten Holzbooten spüren die
Walfänger die Tiere auf und versuchen sie zu fangen. Sobald sich der Wal in
unmittelbarer Nähe vom Boot befindet, springt der Harpunier, lediglich mit
einem Bambusspeer bewaffnet, auf den Wal, um ihn zu erlegen. Es handelt sich
dabei nicht gerade um ein ungefährliches Spektakel, denn die Wale können mehr
als doppelt so gross sein wie das Holzboot. Der "Kampf" mit dem
Walfisch kann über mehrere Stunden andauern und es kommt auch mal vor, dass ein
Wal das Boot bis zu zwei Tage lang durch das Meer zieht oder das ganze Boot für
mehrere Minuten unter Wasser verschwindet. Auch in solchen Situationen geben
die Walfänger nicht auf - aus Respekt dem Wal gegenüber führen sie den Kampf zu
Ende. Es liegt auf der Hand, dass sich dabei die Menschen schon ernsthaft
verletzt haben, ja sogar sterben mussten.
Haben die Walfänger den Kampf gewonnen (was normalerweise
der Fall ist), wird die erlegte Beute in mühsamer Arbeit an den Strand
geschleppt, womit das halbe Dorf beschäftigt ist. Danach wird das Tier zerlegt,
wobei sämtliche Stücke des Wals verwendet werden (es ist Tabu, Teile des Wals
wegzuschmeissen). Das Fleisch wird aufgeteilt zwischen der Bootscrew, den
Boots- und Segelbauern, dem Bootsbesitzer und allen anderen, die irgendwie
beteiligt waren. Überschüssiges Fleisch wird für die spätere Verwendung
getrocknet (was dem Dorf einen wunderbaren Duft verleiht), zu Öl verarbeitet
oder in den umliegenden Dörfern gegen andere Nahrungsmittel getauscht. An
diesen Fang- und Verarbeitungsmethoden hat sich in den letzten Jahrhunderten
kaum was verändert und es handelt sich um harte Knochenarbeit. Jährlich werden
um die 20 Pottwale gefangen - tatsächlich eine zu geringe Anzahl, um den
weltweiten Bestand dieser Tiere zu gefährden. Doch neben Pottwalen werden auch
andere Grossfische wie Mantarochen, Delfine, Haie, kleinere Walfischarten,
Tunas, ja sogar Schildkröten und Walhaie gefangen. Global betrachtet handelt es
sich bei vielen davon um bedrohte Tierarten. Aus Sicht der Dorfbewohner
hingegen ist diese Art von Fischerei nachhaltig, da "nur" in den
regionalen Gewässern gejagt wird und mit den einfachen Fangmethoden Erträge für
einen kommerziellen Fischfang gar nicht möglich wären. Man kann in Lamalera
problemlos mit einem Walfängerboot (oder auf einem Beiboot - die etwas
sicherere Variante) mitfahren. Uns stimmte jedoch bereits der Anblick der toten
Wale und Mantarochen, welche an den Strand geschleppt wurden, ziemlich traurig
und deshalb haben wir uns entschieden nicht mitzufahren. Wir ziehen es doch
vor, diese Tiere lebendig zu beobachten. Zu einem gewissen Teil verstehen wir
jedoch die Notwendigkeit dieser Art von Fischerei für die Dorfbewohner, denn es
gibt kaum Alternativen, da die geografischen Voraussetzungen für die
Landwirtschaft schlicht nicht gegeben sind. Somit ist praktisch das ganze Dorf
irgendwie in der Fischerei bzw. im Walfang involviert. Leider ist es den
Menschen da nicht bewusst, dass sie auch gefährdete, weltweit unter Schutz
gestellte Tierarten (wie z.B. Meeresschildkröten) töten. Schlechte Ausbildung,
mangelnde Alternativen sowie fehlende Kenntnisse der aktuellen Probleme auf unserem
Planeten (Überfischung, Umweltverschmutzung...) sind die Gründe dafür. Doch wie
sollte man den Menschen in Lamalera beibringen, dass es sich teils um gefährdete
Tierbestände handelt, wenn sie seit Jahrhunderten in ihren heimischen Gewässern
nachhaltig diese Art der Fischerei betreiben und Ihr Lebensunterhalt fast
gänzlich davon abhängt? Ist die uralte Tradition des Walfangs in Lamalera
wirklich so schützenswert, dass sie nicht (zum Wohle gefährdeter Tierarten)
aufgegeben werden sollte? Eine
ziemlich schwierige wie auch zwiespältige Angelegenheit. Es ist auch für
uns schwer zu sagen, ob das richtig ist, was da geschieht. Soweit wir jedoch
beurteilen konnten, wird wirklich nur für den Eigengebrauch gejagt und es gibt
keinen Handel fernab von der kleinen Insel Lembata.
Jeweils samstags findet im Nachbardorf von Lamalera ein
Markt statt, wo das Walfleisch gegen Früchte, Gemüse oder Mais getauscht wird.
Ja, es wurde tatsächlich noch getauscht und nicht mit Geld bezahlt! Es war
interessant, zu beobachten wie stark gewisse Produkte begehrt werden oder eben
nicht. Zu diesem Event versammelten sich mehrere hundert Menschen und
verwandelten den sonst ruhigen Dorfplatz im verschlafenen Nachbardorf zu einem
kleinen Rummelplatz. Nach ein bis zwei Stunden war dann wieder alles vorbei -
es hatte sich "ausgetauscht" und die Leute verschwanden in Richtung
ihrer Dörfer. Hier ein paar Impressionen:
Nach drei Nächten
in Lamalera waren wir schlussendlich froh, den Ort wieder verlassen zu können -
zu streng war der Geruch nach dem Walfleisch, welches im ganzen Dorf zum
trocknen aufgehängt wird. Ausserdem waren die Kochkünste unserer
Gastgeber (ihr könnt drei Mal raten, was es zum essen gab...) nicht gerade
famos. Wir nahmen uns in Lewoleba noch einen zusätzlichen Tag Zeit, um die
Gegend rund um den Vulkan Api mit dem Motorrad zu erkunden. "Hello Mister"
aus allen Ecken und Büschen - die Menschen in den kleinen Dörfern am Fusse des
Vulkans scheinen, in ihrem Leben noch nicht viele "weisse" Touristen
gesehen zu haben. Tatsächlich hat die Insel Lembata nur 300 Besucher im Jahr
und die allermeisten kommen, um die Walfänger in Lamalera zu besuchen.
Aufgrund der schlechten Fährverbindungen sind wir mit dem
Flugzeug auf die kleine Insel Alor, östlich von Lembata, geflogen. Im Hauptort
Kalabahi liessen wir uns drei Tage nieder, um die Insel per Motorrad zu
entdecken. Da sich die touristische Infrastruktur auch auf dieser Insel nur auf
das Minimum beschränkt (ein paar einfache Hotels sowie ein Tauchcenter),
dachten wir schon, wir hätten etwas Mühe, hier ein Motorrad mieten zu können.
Doch es war einfacher als gedacht: Wir stellten uns an den Strassenrand vor dem
Hotel und fingen mit einem Motorradfahrer an zu quatschen. Es ging kaum eine
Minute und drei andere Motorradfahrer versammelten sich um uns - wir
verhandelten kurz um die Preise und waren im nu Motorradmieter... Der
Strassenzustand ist leider nicht überall sehr gut - teilweise fuhren wir auf
"Strassen", die bei uns als Wanderwege deklariert würden. Die Insel
ist jedoch landschaftlich sehr reizvoll: Berge, die mit dichtem Dschungel
bewachsen sind, einsame Strände, abgeschiedene Bergdörfer. Vor allem der Besuch
im traditionellen Dorf "Takpala" hat uns beiden gefallen - wir wurden
extrem freundlich empfangen. Eine Besonderheit an diesem Dorf waren die Häuser
mit dem hohen Strohdach. Dieses Dach ist mit drei Stockwerken ausgestattet -
ein Gemeinschaftsraum sowie zwei Schlafräume in den oberen beiden Etagen. Aus
Mangel an Fenster ist es da drin zwar stockdunkel, dafür aber erfrischend kühl.
Der Hauptgrund für unseren Besuch des Alor-Archipels waren
jedoch nicht die Dörfer oder die Strände. Nein, es sind die unberührten
Korallenriffe, welche uns dorthin lockten. Abseits von irgendwelchem
Touristenrummel kann man da an weltklasse Tauchspots die Unterwasserwelt
bestaunen. Unser Tauchanbieter befand sich auf der Nachbarinsel Pantar. Das
Tauchen im Alor-Archipel ist nicht ganz einfach, da sehr oft (und plötzlich)
starke Strömungen auftreten. Auch wir hatten das Vergnügen, Bekanntschaft mit
dem reissenden Wasser in diesen engen Meeresstrassen zu machen. Gerade aufgrund
dieser Strömungen gibt es jede Menge Fische (darunter auch seltene Arten) sowie
unversehrte und sehr intakte Korallenriffe zu entdecken. Wir liessen es uns die
zweitletzte Woche nochmals so richtig gut gehen und verbrachten die Zeit vor
allem mit tauchen, schlafen und essen - und das in einem wunderschönen Bungalow
direkt am weissen Sandstrand. Es war einfach paradiesisch!
So, das wars leider von Nini's Reisen! Wir freuen uns auf euch alle. Danke allen Lesern, wir hoffen, es hat Spass gemacht und war interessant.
(Für Interessierte) Ein Exkurs
zum indonesischen Transportsystem:
Wir verbrachten viel Zeit in
Transportmitteln und mussten uns immer wieder um deren Organisation kümmern.
Vor allem, wenn man abgelegenere Orte in Indonesien erreichen möchte, ist die
Organisation von geeigneten Transportmitteln eine kleine Herausforderung. Da
wir auch viel Zeit "on the road" verbrachten (und nicht nur mit der Besichtigung von
Attraktionen bzw. tauchen), möchten wir nachfolgend ein kleiner Eindruck zum
indonesischen Transportsystem verleihen.
Obwohl sich die Zuverlässigkeit in den
letzten paar Jahren etwas verbessert hat, werden Flüge und Fährverbindungen
immer wieder abgesagt oder sie sind verspätet. Neben veralteten Flugzeugen und
Fähren spielen dabei auch das Wetter sowie Vulkanausbrüche oder einfach die
mangelnde Organisation eine wichtige Rolle. Zu Land sind die Busverbindungen für
Aussenstehende nicht immer verständlich und man muss oft herumfragen (am besten
bei mehreren Personen, denn jeder erzählt wieder etwas anderes). Überlandbusse
gibt es eigentlich viele und es sind oft diverse Komfort-Klassen (zu
entsprechenden Preisen) erhältlich. Diese Busse verbinden grössere Städte
miteinander. Meist gibt es in den Städten mehrere Bus-Endstationen irgendwo am
Stadtrand. Je nach Zufahrtsrichtung wird dabei eine andere Busstation
angefahren. Um zwischen den Stationen zu wechseln, stehen diverse
Transportmittel zur Verfügung: Taxis, Ojeks (Motorradtaxi), Becaks (Velo-Rikscha),
Stadtbusse und natürlich die oft genutzten "Bemos". Bemos sind so
eine Art kleine VW-Busse, die bis auf den letzten (halben) Platz vollgestopft
werden. Man kann dabei überall ein- und aussteigen, vorausgesetzt man macht
sich irgendwie bemerkbar. Bemos verbinden auch die kleineren Dörfer ausserhalb
der Städte miteinander. Je nachdem, in welche Richtung die Bemos fahren bzw. in
welchem Stadtteil sie kreisen, haben sie eine andere Farbe. Neben all den erwähnten
Möglichkeiten gibt es auch grössere Vierrad-Autos (oft "Travels" oder
"Kijangs" genannt), die man entweder chartern (teuer!) oder mit
anderen Leuten teilen kann. Im zweiten Fall muss man einfach warten, bis das
Auto voll ist. An ganz abgelegenen Orten muss man meist mit Motorradtaxis,
Trucks oder Pick-Up's vorlieb nehmen. An grösseren Busstationen gibt es immer
wieder ein paar "nervöse" Einheimische, welche die Leute in das
richtige Transportmittel verfrachten und sich so ein paar "Batzeli"
dazuverdienen - ziemlich praktisch eigentlich. Wenn man diese Grundsätze des
Transportsystems mal verstanden hat, ist es eigentlich nicht schwierig von A
nach B zu kommen - jedoch sollte man immer viel Zeit einplanen und hin und
wieder ist ein gewisses Verhandlungsgeschick in indonesischer Sprache noch ganz
praktisch...