Donnerstag, 10. April 2014

Neuseeland Teil 2: In luftigen Höhen


Wie es die Einfahrt mit der Fähre in die Marlborough Sounds vermuten liess, ist die Südinsel Neuseelands voller Naturwunder. Nach unserer Ankunft machten wir uns direkt auf den Weg nach Süden. Unsere Fahrt ging an diversen Weinfeldern und Kellereien vorbei. Doch da es schon später Nachmittag war und die Neuseeländer gerne gegen 16 Uhr in den Feierabend gehen, war alles bereits geschlossen. Mehr zu dieser Weinregion später im Blog.

Nach einem Overnight Stop im Nelson Lakes National Park fuhren wir, durch tiefe Schluchten sowie vorbei an reissenden Flüssen und spektakulären Berglandschaften, nach Franz Josef. Franz Josef ist ein ziemlich touristischer Ort ganz in der Nähe des gleichnamigen Gletschers. Wir freuten uns schon auf den gebuchten Heli-Hike zum Gletscher. Da das neuseeländische Wetter sich jedoch wieder mal von seiner launischen Seite zeigte, musste der Flug abgesagt werden.  Als Alternativprogramm sind wir zu Fuss los und machten mehrere kleine Wanderungen rund um die Fox- und Franz Josef Gletscher.  Am nächsten Tag hatten wir Traumwetter und konnten die einzigartigen Gletscher (welche fast bis auf Meereshöhe hinunter reichen) nochmals bei Sonnenschein bestaunen.


In Wanaka trafen wir Barbara und Ueli (Ueli hat mit Nici studiert). Wir feierten dieses unerwartete Ereignis gleich mit einem ausgiebigen Apéro und feinem Essen. Wir hatten uns nicht gerade den besten Tag für dieses Treffen ausgesucht, da aufgrund eines regionalen Feiertags viele Bars und Restaurants geschlossen waren. Nach längerem Suchen fanden wir doch noch ein Refugium  an einem warmen Kaminfeuer. 

Nach der eher kurzen Nacht sind wir noch etwas „verspannt“ nach Queenstown aufgebrochen. Queenstown ist ein hübsches Städtchen, welches sich voll und ganz auf Outdoor-Aktivitäten ausgerichtet hat. Von Bungee-Jumping, Canyoning, Rafting, Ziptrek und Flying Fox bis hin zu Downhill Biken gibt es hier ziemlich alles, was das Herz eines Adrenalinjunkies erfreut. Wir haben uns jedoch für die weniger adrenalinhaltige Aktivität - das Wandern - entschieden (wir sind ja nun verheiratet und dementsprechend vernünftiger geworden ;-)).  Von den neun „Great-Walks“ in Neuseeland (mehrtätige Wanderungen, die besonders viel Abwechslung und tolles Panorama bieten), haben wir uns für den Routeburn Track entschieden. Dieser Wanderweg beginnt etwa eine Fahrstunde von Queenstown entfernt, ist gut 35km lang und endet in der Nähe des Milford Sound (natürlich kann man auch in die andere Richtung laufen). Start- und Endpunkt der Wanderung liegen jedoch über 300 Strassenkilometer auseinander. Da wir nicht unbedingt zurückwandern wollten, hatten wir ein logistisches Problem zu lösen. Ausserdem mussten die Übernachtungen in den Berghütten vorreserviert werden, da diese in der Herbstzeit noch ziemlich gut besetzt sind. Da wir also schon ziemlich viel im Vorfeld organisieren mussten, waren wir an diesen Tagen auf schönes Wetter angewiesen.  Und prompt meinte es die neuseeländische Wetterfee gut mit uns. Sonne pur und tolle Fernsicht! Wir waren überwältigt von den vielen Seen, Wasserfällen und dem herrlichen alpinen Panorama. Als wir am anderen Ende ankamen, waren wir froh, dass unser Auto dort schon abfahrbereit auf uns wartete. Wir konnten jemanden finden, der unser Auto von A nach B fuhr und uns die Sache dadurch ziemlich erleichterte.

 



Nach dem Zweitagesmarsch belohnten wir uns mit einer Bootstour durch den Milford Sound (ein Fjord im Süden der Südinsel). Wir schnappten uns gleich das erste Boot, welches am Morgen aus dem Hafen fuhr und waren nur zu sechst darauf. So konnten wir dem Touri-Rummel entkommen und die einmalige Morgenstimmung geniessen. Trotz dem wolkenverhangenen Wetter (Milford ist einer der regenreichsten Orte der Welt) war die Fahrt sehr spektakulär. Die steilen Abhänge und Berge sowie die hohen Wasserfälle, die direkt ins Meer stürzen sind wunderschön. 


Auf dem Weg nach Osten passierten wir den unscheinbaren Ort „Gore“. Naja, scheinbar war für uns eigentlich nur die grosse Forellenstatue am Dorfeingang. Gore ist einer der besten Orte in Neuseeland, um Forellen zu fischen. Voller Tatendrang holten wir uns eine Tageslizenz (dies ist in Neuseeland notwendig, wenn man im Süsswasser fischen möchte) und suchten das nächste Flussufer auf. Nach ca. 45 Minuten „rupfte“ es schon an der Angel und eine schöne Forelle biss an. Diese war fast einen halben Meter lang und gab reichlich was her für unser Nachtessen – yummy! Nun war der Jägerinstinkt geweckt! Wir versuchten unser Glück ein paar Tage später erneut (in einem Fluss, der Forellen und Lachse beheimatete), doch leider wollte niemand auf dem Teller landen. Forelle 1 biss den Köder direkt mit der Schnur ab (sie war wohl zu gross) und Forelle 2 machte zwar Bekanntschaft mit dem Ufer, schlüpfte uns jedoch aus der Hand wieder zurück ins Wasser. Tja, Dummheit wird bestraft, wir hätten wohl einen besseren Landeplatz für den Fisch wählen sollen…


Bei Dunedin (ein hübsches Städtchen an der Ostküste) wollten wir die Gelbaugen-Pinguine sehen. Davon soll es auf der Südinsel nur noch etwa 400 wildlebende Exemplare geben. Diese kommen immer rund zwei Stunden vor Sonnenuntergang von der Jagd zurück an den Strand zu ihren Nestern. Auf der Otago-Halbinsel hatten wir leider kein Glück. Wir sahen zwar riesige Seelöwen, die sich im Sand wälzten, aber von Pinguinen keine Spur. Dafür hatten wir in Oamaru etwas mehr Glück. Ganze drei Stück konnten wir aus etwa 300m Entfernung beobachten. Da die Pinguine sehr scheu sind, sollte man sich ihnen ohnehin nicht zu sehr nähern. Trotzdem war es schön, eine so seltene Pinguin-Art beobachten zu können. 


In den kommenden Tagen wollten wir den höchsten Berg Neuseelands, den Mount Cook (auf Maori: „Aoraki“ – der Durchbrecher der Wolken, ca. 3700m hoch) sehen und in der Region wandern. Bereits die Anfahrt war sehr eindrucksvoll: spiegelglatte Seen und wildes Bergpanorama in frischer, klarer Luft – so wie man sich Neuseeland vorstellt. Wir entschieden uns, die Wanderung zur Mueller Hut zu unternehmen. Die 1000 Höhenmeter, welche sich auf nur 5.2km Länge verteilten, hatten es definitiv in sich. Bis zur Hälfte hat Nino 1899 Treppenstufen gezählt und danach ging es weiter auf (k)einem Wanderweg durch ziemlich loses Geröll. Statt der budgetierten sieben Stunden hin und zurück, haben wir die Wanderung in (netto) fünf Stunden geschafft. Somit blieb genug Zeit für eine ausgiebige Mittagspause in der Mueller Hut bei traumhaftem Wetter. Neben den zahlreichen Gletschern und Dreitausendern waren vor allem die Gletscherabbrüche und Lawinenniedergänge, welche alle paar Minuten mit lautem Donnergrollen von statten gingen, eindrucksvoll. Global-Warming lässt grüssen. Auch der Tasman-Gletscher, welchen wir am nächsten Tag besichtigten, stimmte uns diesbezüglich etwas nachdenklich.  Durchschnittlich schrumpft dieser Gletscher jährlich um rund 400-800m. Der dazu gehörende Gletschersee war vor 20 Jahren noch inexistent und mit dickem Eis überdeckt.




Nach einigen wirklich sehr sonnigen Tagen schlug das Wetter um. Somit schrieben wir den Heissluft-Ballonflug über die Canterbury-Plains ab und dachten, dasselbe würde auch mit der Whalewatch-Tour geschehen. Doch wir hatten mal wieder Glück und ein Sonnenloch zeigte sich, als wir in Kaikoura für unsere gebuchte Tour eincheckten. Mit dem Katamaran stachen wir ins offene Meer. Die See war sehr rau, so dass sich das Schiff in den Wogen der Wellen mächtig auf und ab bewegte - definitiv nichts für Seekranke. Doch die Fahrt hat sich geloht, wir konnten einen grossen Pottwal bei seinem Auf- und Abtauchmanöver beobachten. Für uns jedoch spektakulärer waren die Schwarzdelfine. Diese schwammen in Scharen um unser Boot und zeigten uns ihre besten Kunststücke und Sprünge. Die marine Vielfalt in Kaikoura ist überwältigend. Dank zwei zusammentreffenden Meeresströmungen und tiefen Canyons ist dies einer der wenigen Orte auf der Welt, wo Pottwale so nahe an der Küste gesichtet werden können. Zudem werden hier regelmässig Blauwale, Orkas, verschiedene Delfinarten, Haie und zahlreiche Robben gesichtet. Auch der 18m lange Riesen-Kalmar soll da angeblich leben (sonst hätte der Pottwal ja nichts zu fressen: http://www.planet-wissen.de/natur_technik/tiere_im_wasser/tiere_der_tiefsee/wissensfrage.jsp). 



Nach der Umrundung der Südinsel waren wir wieder zurück in der Marlborough-Region. Wir liessen es uns nicht entgehen, die Weine bei verschiedenen Produzenten in der wichtigsten Weinregion Neuseelands zu degustieren. Rotweine haben uns nur vereinzelt überzeugt, aber die Weissweine schmecken absolut vorzüglich. Ja, Reisen eröffnet ganz neue Horizonte. Es ist davon auszugehen, dass auch bei uns zukünftig mal ein Weisswein zur Hauptspeise genossen werden kann. Das Aushängeschild von Marlborough scheint Sauvignon Blanc zu sein. Einer der besten davon wird vom Produzenten „Cloudy Bay“ produziert (persönliche Meinung Nino). 


Unsere geplante Neuseeland-Reise war nun mehr oder weniger zu Ende. Bei stürmischem Wetter ging es mit der Fähre wieder zurück auf die Nordinsel (dieses mal hätten auch wir fast mit dem weissen Tütchen Bekanntschaft gemacht). Auf dem Weg nach Auckland machten wir einen Halt im Egmont Nationalpark, wo wir nochmals einen Tag mit Wandern in der schönen Natur Neuseelands verbrachten (leider bei Regen). Ein kleines Highlight am Schluss war noch unser Spontanbesuch der Höhlen "Waitomo" und "Ruakuri" mit den zahlreichen Gängen, Flüssen und natürlich: Glühwürmchen!

Neuseeland hat uns sehr gut gefallen. Die Landschaft mit den vielen Bergen, Stränden, Seen, Vulkanen etc. ist einfach wunderschön und lädt zu Aktivitäten in freier Natur ein. Hier und dort konnten wir Ähnlichkeiten mit der Schweiz entdecken. Jedoch ist die Natur hier noch viel „wilder“ und die Landschaft grösstenteils unverbaut. Gondelbahnen, die auf Berggipfel hochfahren, gibt es fast keine (dementsprechend auch kein kaltes Plättli und kühles Bier) – man muss sich die Aussicht also immer mit Muskelkraft erkämpfen und seinen Proviant selber mitbringen.

Nun sind wir in Auckland und decken uns mit den wichtigsten Utensilien für die kommenden Wochen ein. Wir werden uns wieder auf einfachere Lebensbedingungen einstellen müssen. Betreffend unsere nächste Destination haben wir gehört, dass dort die Männer kopfüber von selbstgebauten Türmen springen. Mehr dazu gibt es bald wieder auf unserem Blog…