Sonntag, 23. März 2014

Neuseeland Teil 1: Von Hobbits, Vulkanen und Wirbelstürmen


Petrus begrüsste uns gleich am ersten Tag mit typisch neuseeländischem Wetter: Sonne, Wolken, Regen, Sonne, Wolken, Regen ... Jeweils abwechselnd im Halbstundentakt. Auch unser Mietauto (mit anbaubarem Zelt am Kofferraum - eine sehr komische Konstruktion) hatte einen durchmischten ersten Tag. Batterie liess uns im Stich und die Bremsen quietschten und stanken. Das Auto kriegten wir in den Griff und auch betreffend Wetter wussten wir, dass dies die kommenden Tage nicht immer so sein wird, denn die Wetterfrösche sagten ein ziemlich stabiles Hoch an. Grund genug, um zur wundervollen "Bay of Islands" im Norden der Nordinsel zu fahren und dort den neuseeländischen Spätsommer zu geniessen.

Es gibt hunderte von Möglichkeiten, die Bay of Islands zu erkunden - die meisten davon auf überfüllten Motor- oder Segelbooten. Während wir die diversen Angebote durchstudierten, sahen wir uns beide kopfschüttelnd an und wussten gleich, dass wir nicht auf eine solche Touri-Tour gehen möchten. Nach längerem überlegen hatten wir die zündende Idee, einfach für ein paar Tage ein Segelboot zu mieten und die Bay of Islands auf eigene Faust zu erkunden. Die Idee klang für uns so toll, dass wir alles in Gang setzten, um an ein Segelboot zu kommen - wir haben beide zwar vor etwa zwei Jahren den Segelschein auf dem Vierwaldstättersee gemacht, jedoch hielt sich unsere Segelerfahrung in Grenzen und auf dem Meer ist sowieso alles etwas anders. Wir "googelten" im Internet nochmals die wichtigsten Wendemanöver, Seemannsknoten und Navigationsgrundsätze. Mit ein wenig Anfänger-Segeljargon sowie unserem ungebrochenen Elan konnten wir den Vermieter davon überzeugen, zwei Sachkundige und gewissenhafte Segler zu sein. Mit Proviant für die nächsten 3 Tage und unserer Basis-Segelerfahrung im Gepäck starteten wir zu einem dreitägigen Segeltörn. Da es in der Bay of Islands viele Untiefen gibt, wurden wir mit einer guten Seekarte ausgerüstet, welche sich vor allem bei der Suche nach geeigneten Schlafplätzen als sehr nützlich erwies. Die Segeltour war sehr entspannend und definitiv eine gute Entscheidung - so konnten wir diese besondere Region ohne Touristenhorden erleben. Immer wieder haben wir den Anker rausgeworfen, um auf den grünen Inseln zu wandern oder in den geschützten Buchten zu baden und zu schnorcheln. Wir konnten auch immer wieder niedliche Zwergpinguine und spielende Delfine sehen, die sich um das Segelboot versammelten. Um jeweils nicht an Land schwimmen zu müssen, hatten wir ein kleines Plastikböötli mit zwei Ruder dabei. Der Vermieter hatte uns vorgewarnt, dass das Umsteigen darauf nicht sehr einfach sei - und tatsächlich haben wir die Leute in den umliegenden Booten mit unserem ersten Umsteigemanöver unterhalten - ja wir haben uns sogar so blöd angestellt, dass uns ein hilfreicher Neuseeländer mit seinem kleinen Motorboot an Land schleppte. Wie auch immer - wir haben unsere Lektion gelernt, so dass dieses Manöver die nächsten paar Male reibungsloser ablief.




Nach unserem Northland-Abstecher machten wir uns auf den Weg in südlicher Richtung. Bei Goat-Island mussten wir unsere Fahrt schon bald wieder unterbrechen. Uns wurde gesagt, dass dort einer der besten Schnorchelspots in Neuseeland liegt. So stapften wir wacker ins ca. 20 Grad kalte Wasser und haben die Unterwasserwelt beobachtet. Viel Kelp und viele Fische (vor allem solche, die sich auch gut auf dem Teller machen würden - dachten wir), alles in allem eine tolle Abwechslung, aber die bunten Fische im tropischen Wasser sagen uns schon mehr zu. Weiter auf unserer Fahrt Richtung Süden passierten wir den „Hot Water Beach“ und schöne Buchten auf der Coromandel Halbinsel. Der Hot Water Beach ist eine beliebte Touristenattraktion, dank den heissen Quellen, die sich direkt am Strand befinden. Man muss (bei Ebbe) nur ein Loch in den Sand graben, so dass das heisse Wasser aufsteigen und den ausgegrabenen "Private Spa Pool" füllen kann. Dabei ist es wichtig, dass auch etwas kaltes Wasser vom Meer in das ausgegrabene Loch fliesst, denn das Quellwasser ist so heiss, dass man sich leicht die Füsse verbrennt. So verbrachten wir (wie viele andere) den ganzen Morgen damit, uns einen eigenen Hot-Pool zu graben und zu "unterhalten" (denn dieser wird immer wieder von den Wellen angegriffen).

Ein Abstecher nach Hobbiton durfte natürlich nicht fehlen. Wie der Name verrät, kann in Hobbiton das Movie-Set von Peter Jackson's "Lord Of The Rings" & "The Hobbit" besichtigt werden. Die geführten Touren durch das Hobbitland sind nicht ganz günstig und man ist nicht alleine da. Dennoch kommt so einiges vom "Middle Earth Spirit" rüber - man fühlt sich schon fast wie in den Film hineinversetzt. So gibt es dort nicht weniger als 44 Hobbitlöcher und viele kleine hübsche Gärtchen zu sehen. Da dies eine beliebte Touristenattraktion ist, werden die Gärtchen täglich gepflegt. Die Pflanzen und Bäume (z.b. Kürbispflanzen, Apfelbäume etc.) werden ganzjährig in Gewächshäusern in der Nähe von Hobbiton grossgezogen und in das Movie-Set detailgerecht eingepflanzt. So finden sich in den kleinen Gärtchen reife Äpfel und Kürbisse, auch wenn gerade nicht die richtige Saison ist. Ebenfalls interessant war es zu erfahren, dass ein künstlicher Baum, genau nach der Vorstellung des Regisseurs, in mühsamer zweijähriger Arbeit angefertigt wurde. Der Baumstamm und die dazugehörigen Äste wurden aus Stahl hergestellt und die künstlichen Blätter wurden alle einzeln am Baum befestigt. Andere Bäume (z.B. Apfelbäume) in Hobbiton werden regelmässig zurückgeschnitten, um einen Miniatur-Effekt zu erzielen. Es war wirklich interessant, etwas mehr über dieses Movie-Set zu erfahren. Vor allem die Liebe für das Detail hat sehr beeindruckt.



Ein Highlight auf der Nordinsel war sicherlich der Tongariro Alpine Crossing: Die rund siebenstündige Wanderung führt durch eine karge Vulkanlandschaft mit einem Panorama das seinesgleichen sucht. Die Vulkane in dieser Gegend sind immer wieder aktiv, so stieg hier und dort schon mal ein fauliger Schwefelgeruch in die Nase. Anfänglich sah das Wetter nicht sehr gut aus - bei dickem Nebel liefen wir früh morgens los, doch um die Mittagszeit verschwand der Nebel und das einmalige Panorama um den Vulkan Mount Ngauruhoe kam zum Vorschein. Der eine oder andere mag diesen Vulkan erkennen - es handelt sich dabei um den sogenannten Schicksalsberg - ebenfalls eine Film-Vorlage für Lord Of The Rings. Da wir keine Ringe zum reinwerfen hatten (wir haben ja erst geheiratet), verzichteten wir auf die Zusatzwanderung zum Vulkankrater und wanderten stattdessen auf den Gipfel des Mt. Tongariro, wo wir eine spektakuläre Aussicht genossen.



Bis anhin hatten wir ziemlich grosses Glück mit dem (sonst so launischen) Neuseeland-Wetter. Ein kleiner Dämpfer verleite uns der tropische Wirbelsturm "Lusi", welcher von der Südsee her auf Neuseeland traf. Da bereits im Vorfeld Wetterwarnungen ausgerufen wurden, wussten wir, was auf uns zukommt, so dass wir uns für zwei Tage nach Napier an die Ostküste verzogen - gemäss unseren Recherchen sollte da der Sturm nicht allzu heftig ausfallen. Dennoch war es auch da ziemlich windig und regnerisch. Da Napier an der Hawke's Bay liegt (eine bekannte Weinregion Neuseelands) hatten wir bereits unser Schlechtwetterprogramm beisammen - Winetasting und Stadtbesichtigung. Napier beeindruckt vor allem wegen der Art-Déco Architektur. Sämtliche Gebäude im Zentrum der Stadt sind im 30er-/40er-Jahre Stil gehalten. Bestimmt nicht jedermanns Geschmack, aber die Pastelltöne der Häuser haben trotzdem eine gewisse beruhigende Wirkung - also genau das Richtige bei einem Sturm. Auch beruhigend wirkte unsere Weintour - Neuseeland mag zwar (noch) nicht sehr bekannt sein für seine Weinproduktion, doch gibt es ein paar wirklich feine Tropfen. Es werden sämtliche Rotwein-Trauben angepflanzt (das Klima ist sehr mild und im Sommer warm genug) und natürlich auch Weisswein-Trauben wie Sauvignon Blanc, Chardonnay, Riesling und Pinot Gris. Vor allem der neuseeländische Sauvignon Blanc überzeugte uns zu 100% - mmmhh...


Als der Sturm vorbei war, fuhren wir nach Rotorua. Der Geschmack nach faulen Eiern, der die ganze Stadt umhüllt, kam uns irgendwie bekannt vor. Tatsächlich gibt es in und um Rotorua unzählige Thermalquellen, Hot Pools und Geysire. Es handelt sich um ein geologisch ziemlich aktives Gebiet, da die pazifische und die australische Platte da zusammentreffen. Wir besichtigten die Thermalquellen Wai O Tapu und Orakei Korako: Geysire, farbenfrohe Pools, dampfende Quellen und Schwelfelterrassen standen den ganzen Tag auf dem Programm. Hier einige Bilder von unsern Ausflügen:




Ebenfalls ein Highlight in Rotorua war der Bike-Park in den „Redwood Forests“. Wir mieteten uns Mountainbikes und unternahmen eine Tour durch die unzähligen Singletrails im dichten Wald. Jeder Singletrail (sechs Schwierigkeitsgrade!) ist beschildert und trägt einen individuellen Namen. Die Trails sind meist nur in eine Richtung befahrbar und Wanderer dürfen diese Wege nicht benutzen - wir konnten somit ungehindert in die Pedalen treten. Auch für Nicht-Bike-Enthusiasten ein super Erlebnis. Die beanspruchten Muskeln haben wir dann am Abend im Spa etwas aufgelockert.

Der vorest letzte Stopp auf der Nordinsel war Wellington - die Hauptstadt Neuseelands. Die Stadt ist ziemlich beschaulich, aber trotzdem belebt. Neben dem Museum und den verschiedenen Lookouts war für uns vor allem das Doppelkonzert von Queens Of The Stone Age und Nine Inch Nails ein Highlight. Von Wellington aus überquerten wir am nächsten Tag mit der Fähre die "Cook Strait" - die spektakuläre Landschaft bei der Anfahrt zur Südinsel sah bereits vielversprechend aus - wir freuen uns darauf!











 
 


Samstag, 1. März 2014

Roadtrip Australia

Geplant war, dass wir mit unserem kleinen Camper dieses Mal "nur" den Südwesten Australiens abrattern, doch haben wir umentschieden und sind von Perth bis Adelaide gefahren. Die Zeit in Australien war ausreichend, damit wir auch eine längere Route machen konnten und zudem ist es einfacher und günstiger von Adelaide nach Neuseeland zu fliegen, wo unsere Reise weitergeht. Unsere Zeit in Australien war toll, es gab viele Highlights, hier werden wir aber gezielt nur einige davon erwähnen, sonst seid ihr übermorgen immer noch mit lesen (und wir mit schreiben) beschäftigt.

Nachdem wir in Perth angekommen sind, unseren Camper und das hinterlegte Päckli von Martina und Thomas in Empfang genommen haben (danke euch, wir haben schon einigen selbstgefangenen Fisch verspeist), mussten wir zum "Big Day Out" düsen. Dies ist ein Open Air Konzert, welches jährlich in allen grossen Städten Australiens stattfindet. Im Vergleich zu den Festivals in der Schweiz spielen hier etwa 3x so viele Bands auf diversen Bühnen, jedoch nur an einem einzigen Tag. So muss das Programm gut studiert sein, sonst hat man schnell was verpasst. Zudem geht’s hier definitiv weniger ausgelassen zu und her, beim Eingang wird man von einem Hund abgeschnuppert und genau durchkontrolliert und trinken (Alkohol) darf man nur in abgesteckten Zonen. Wer sich ein wenig auffällig benahm, wurde kurzerhand ziemlich rabiat vom Gelände raustransportiert. So sassen wir hin und wieder in einer "Trink-Zone" genüsslich bei einem Bier und haben die Verfolgungsjagd der Security beobachtet... Ähnlich wie "Räuber und Poli" - ziemlich amüsant. Wir sind aber froh, läuft das bei uns in der Schweiz etwas gelassener ab. "Portugal The Man" und " The Hives" waren toll, aber der Knüller war dann das Konzert von "Pearl Jam". Eddie Vedder und seine Band haben voll überzeugt!

Nachdem unsere Ohren mal wieder mit etwas Musik verwöhnt wurden, konnten wir bei bester Laune in Richtung Süden starten. In Margaret River haben wir tolle Weine probiert. Diese Weinregion ist eher klein (für australische Verhältnisse) und produziert so ziemlich jede Sorte Wein. Die Landschaft ist sehr idyllisch. Danach sind wir an die Küste, wo wir mit dem bereits errungenen Bodyboard die ersten Wellen in Angriff nahmen. Das Wasser ist mit gut 20 Grad (im Sommer) zwar eher kühl, aber die Küsten und Strände im Südwesten Australiens locken trotzdem mit ihrer Schönheit und dem glasklaren Wasser. Für die Interessierten folgt nach diesem Blog-Eintrag eine Rangliste mit unseren favorisierten Stränden und Buchten...

Etwas weiter südlich haben wir in den "Karri Forests" ein paar Spaziergänge gemacht. Diese Wälder bestehen vorwiegend aus Karri Trees (diese sind sehr hoch) und Tingle Trees (diese sind sehr breit). Diese knorrigen Eukalyptus-Wälder sind im Südwesten verbreitet und es besteht auch die Möglichkeit ein paar wenige der Karri Trees zu besteigen. Die Bäume und die dazu gehörenden Leitern reichen bis auf 70 Meter. Die Leitern, welche wie riesengrosse Nägel um den Baum herum in diese schwindelerregenden Höhen führen, wurden ehemals erstellt, damit von dort aus Buschfeuer früh genug erkannt werden konnten. Die Bäume waren also als "Spähtürme" gedacht. Da man nicht nur Feuer von dort oben sehen kann, sondern auch sonst einen tollen Ausblick geniesst (haben wir uns sagen lassen), wollten wir natürlich auch da hoch. Leider ist unser erster, zweiter und auch dritter Versuch gescheitert.... Wir sind zwar jedes Mal etwas weiter nach oben gekommen, aber irgendwo auf 20 Meter war dann jeweils Schluss. Die Knie schlotterten und irgendwie fühlten wir uns auch sonst etwas schwindlig in dieser Höhe. Die Karri-Tree-Besteigung ist somit leider gescheitert, hier trotzdem ein paar Bilder:




Auf unserem weiteren Weg hat sich das Wetter leider zusehends verschlechtert. Da kam uns (gleich ein paar Kilometer vor Denmark) "Swiss Annies Chocolate" gerade recht. Es handelte sich dabei um eine kleines Anwesen, welches von einer Schweizerin (eben dieser Annie aus Langnau im Emmental) und ihrem Mann bewohnt wird. Sie haben dort ein hübsches Café und eine kleine Schoggifabrik aufgezogen. So haben wir uns den Tag mit ein paar feinen Praline-Kreationen versüsst. Ach ja, und einen Wein haben wir auch noch gekauft, der (wie sich dann herausstellte) auch ziemlich intensiv nach Schokolade schmeckte. 


In Denmark angekommen, zeigte sich dann doch noch die Sonne, als wir die Hauptsehenswürdigkeiten im Nationalpark bestaunten: Die "Elephant Rocks" und der "Greens Pool" waren im Sonnenschein fantastisch anzusehen. Ein paar Tage später sind wir nach Albany gefahren, worauf wir uns besonders freuten. Bereits bei einem früheren Besuch in Australien waren wir von dieser Stadt und vor allem von den darum liegenden Buchten und Stränden enorm angetan. Leider war das Wetter an der Küste ziemlich unbeständig und sehr windig. Unsere weitere Reise sollte uns nach Esperance führen. Als wir jedoch den Wetterbericht studierten und ein länger andauerndes Hoch erst in ein paar Tagen angesagt war, entschieden wir uns, die Küste zu verlassen und ein wenig ins Landesinnere zu reisen. Im "Stirling Range Nationalpark" unternahmen wir zwei schöne Wanderungen, unter anderem auf den höchsten Gipfel Südwestaustraliens (mit gerade mal 1200 Metern über Meer für uns Schweizer ein etwas grösserer Hügel). Auf dem Gipfel angekommen, wurden wir jeweils mit einer 360-Grad Rundumsicht auf die bewaldeten Berge und Täler verwöhnt.
Das mit dem Wetter war ein wenig verhext. Eigentlich sollte der Februar im Süden Australiens der wärmste Monat sein. Allerdings war es immer wieder recht kalt (vor allem Abends). Auch die "Locals" meinten, sie hätten solch kaltes Wetter mitten im Sommer noch nie erlebt. Somit haben wir, neben unserem Inland-Ausflug, auch immer wieder Zeit mit Fischen verbracht, als das Wetter wieder mal nicht so wollte, wie es sollte. In Australien darf man nämlich ohne spezielle Kenntnisse oder Patent im Meer fischen. Unsere Ausbeute war recht gut, wir konnten doch einige Abendessen mit selbstgefangenem Fisch geniessen.



Nach ein paar Tagen war doch für eine längere Zeit stabiles Wetter angesagt und wir machen uns auf den Weg nach Esperance und zum Cape Le Grand Nationalpark. Die Landschaft hier ist wirklich traumhaft: Die Strände sind schneeweiss, der Sand wie Puderzucker und das Meer verläuft von türkisfarben bis ins tiefblau. Darum herum sind immer wieder Granitfelsen in der Landschaft verstreut, welche das Gesamtbild abrunden. Viele Strände sind praktisch menschenleer, dafür liegen die Kängurus da und geniessen die Ruhe und das Rauschen des Meeres. Wir haben ja schon einige schöne Strände und Buchten gesehen und sind deshalb schon etwas verwöhnt, aber diese Menge an Schönheit rund um Esperance ist einfach atemberaubend. So sind wir bei bestem Wetter dann auch fast eine Woche dort verweilt, eigentlich so lange bis unser Kühlschrank (durch zu langes Herumstehen mit entladener Autobatterie) wieder mal nach Strom rief. Die Woche in Esperance war sicher ein Highlight unserer Reise. 


Nach Esperance (in östlicher Richtung) könnte man eigentlich sagen, dass (West-)Australien fertig ist... Ist es aber nicht, es folgt das Nullarbor Plateau. Wahrscheinlich haben nicht viele Einheimische diese Gegend bereist - soviel konnten wir in etwa den Blicken der Locals jeweils ablesen. Die meisten staunten nicht schlecht, als wir erzählten, dass wir von Perth bis Adelaide durchfahren. Von Norseman bis Ceduna (Anfang bis Ende dieser Strecke) sind es rund 1200 Kilometer. Die Strasse führt durch ziemlich kahles Gelände und geht praktisch nur geradeaus. Hier findet man beispielsweise die längste "kurvenlose" Strasse Australiens sowie eine (spiegelglatte) kahle Ebene, wo keine Bäume wachsen (deshalb: "Null-Arbor"). Die Landschaft ist trotzdem beeindruckend - halt mal etwas anderes. Die Küsten sind wie Kuchenstücke abgeschnitten und das Meer peitscht ziemlich rau an die steilen Kliffs. Neben uns haben aber noch diverse andere "Verrückte" das Nullarbor-Plateau passiert. Wir sahen Velofahrer, Pferdekutschen, Jogger und sogar Wanderer. Da soll noch einer sagen, wir seien verrückt! Wir hatten zumindest ein Auto...


Irgendwann in der zweiten Hälfte des Nullarbor-Plateaus haben wir die Grenze von Westaustralien nach Südaustralien erreicht. Im Baird Bay lernten wir ein nettes, älteres Paar aus Australien kennen, das uns ein paar gute Tipps zum Fischen gab. Leider war dort das Wasser zu flach, so dass man nur mit einem Boot an die grösseren Exemplare herankommen konnte. Unser Erfolg blieb somit leider aus. Aus Mitleid (oder so...) schenkte uns das ältere Pärchen ein paar Fische und wir kamen doch noch zu einem feinen Nachtessen. Die Fische waren sogar schon filetiert und somit direkt essbereit - da soll noch einer sagen, die Australier seien nicht grosszügig! Am nächsten Tag (ebenfalls in Baird Bay) gönnten wir uns einen Ausflug mit Ecotours. Wir sind mit einem kleinen Boot rausgefahren und konnten mit Delfinen und Seehunden schnorcheln. Da dies alles in der freien Natur geschah, gab es keine Garantie, dass die Tiere auch da sind. Wir hatten aber Glück: die Delfine, wie auch die Seehunde sind zahlreich erschienen und mit uns geschwommen. So ganz wohl bei der Sache war uns aber nicht... Ein Guide von uns hatte ein kleines Gerät um den Fussknöchel - angeblich ein sogenanntes "Sharkshield" - welches mittels elektrischer Strahlung die Haie vertreiben sollte. Die Südküste Australiens ist nämlich das Wohngebiet des weissen Hais. Es gibt Touristen, die kommen nach Südaustralien, um "Cage Diving" zu betreiben - also in einem Käfig mit den weissen Haien zu tauchen. Und dies nur ein paar Kilometer von Baird Bay entfernt. Naja, jedenfalls war der Ausflug fantastisch und es hat sich gelohnt, dass wir uns ins Wasser wagten.


Eine Reise durch Südaustralien ist (zumindest für jene, die ein klein wenig an Wein interessiert sind) nicht komplett, ohne den Besuch einer der zahlreichen Weinregionen. In der eher kargen und trockenen australischen Landschaft erscheinen diese Weingüter und Weintäler wie grüne Oasen. Auch ist es hier in Australien üblich, dass man ohne Anmeldung bei den Weinproduzenten vorbeischauen und (ohne irgendwelchen Kaufzwang) den grössten Teil des Sortiments probieren kann. Neben der wohl bekanntesten Weinregion Australiens, dem Barossa Valley (das "zu Hause" von Penfolds, Peter Lehmann, Chateau Tanunda etc.) haben wir auch das McLaren Vale und das Clare Valley besucht. Die zwei erstgenannten Regionen sind weltbekannt für die hervorragenden kräftigen Shiraz-Weine, während im Clare Valley mehr auf Riesling gesetzt wird. In einer internationalen Weinprämierung wurde im Jahre 2010 übrigens ein Wein aus dem Clare Valley zum weltweit besten Riesling gekürt (wir konnten zwar nur den "Nachfolger" des Gewinners probieren, aber der war schon ziemlich gut). Es war sehr interessant zu erfahren, dass immer wieder Neues ausprobiert wird - so verkaufen die Australier (neben den "Klassikern" wie Shiraz und Cabernet Sauvignon) seit ein paar Jahren zunehmend Weine, die aus Trauben wie Sangiovese, Tempranillo, Touriga, Malbec, ja sogar Barbera hergestellt wurden. Auch wenn diese Weinreben noch eher jung sind, waren die Ergebnisse doch schmackhaft.


Während unseren letzten paar Australien-Tage haben wir die Yorke-Halbinsel erkundet. Ein Highlight war da sicherlich der Innes Nationalpark mit den rauen Steilküsten, die sich mit goldenen Stränden und schönen Buchten abwechseln. Aber auch an Land liefen uns immer wieder Kängurus und Emu-Familien über den Weg. Ansonsten ist die York-Halbinsel vor allem für das Fischen bekannt. Zwar haben wir einige Fische gefangen (und verspeist), doch haben wir es nicht geschafft, die angeblich vielen Calamari rauszuziehen - sie verschlangen unsere Köder, ohne sich an den Haken zu hängen. Tja, vielleicht haben sie inzwischen gelernt, dass so ein Haken gefährlich sein kann...


Auch wenn die Wetterkapriolen etwas aussergewöhnlich und die Preise im Vergleich zu früher deutlich höher waren, hat uns der Australien-Ausflug sehr gut gefallen. Bald reisen wir aber in das Land "Under Down Under" - also schaut wieder mal rein für die neusten News... Und nicht zuletzt wünschen wir (etwas verspätet) eine rüüdige Fasnacht 2014 - dieses Mal leider ohne uns, aber im 2015 sind wir dann wieder mit dabei   *freu*  :-)


















Bilder sagen bekanntlich mehr als lange Umschreibungen. Wie versprochen also noch die Bilder unserer „Top 7“ Strände von Südwestaustralien (es gäbe natürlich noch viel mehr davon…)

7. Platz: Shelley Beach (bei Albany): Sehr schöner Schlafplatz (Camping direkt am Meer)


6. Platz: Mandalay Beach (bei Denmark): Menschenleer und rau


5. Platz: Elephant Rocks (bei Denmark): Schöne Granitformationen und glasklares Wasser


4. Platz: Lucky Bay (Cape Le Grand NP): Puderzuckerweisser Sand und Kängurus


3. Platz: Little Beach (Two Peoples Bay): Kleiner Geheimtipp (jetzt nicht mehr…)

2. Platz: Twilight Beach (bei Esperance): Wurde zu „Australia’s best beach“ gekürt.


1. Platz: Wirklicher Geheimtipp ;-)