Petrus begrüsste uns gleich am ersten Tag mit typisch neuseeländischem Wetter: Sonne, Wolken, Regen, Sonne, Wolken, Regen ... Jeweils abwechselnd im Halbstundentakt. Auch unser Mietauto (mit anbaubarem Zelt am Kofferraum - eine sehr komische Konstruktion) hatte einen durchmischten ersten Tag. Batterie liess uns im Stich und die Bremsen quietschten und stanken. Das Auto kriegten wir in den Griff und auch betreffend Wetter wussten wir, dass dies die kommenden Tage nicht immer so sein wird, denn die Wetterfrösche sagten ein ziemlich stabiles Hoch an. Grund genug, um zur wundervollen "Bay of Islands" im Norden der Nordinsel zu fahren und dort den neuseeländischen Spätsommer zu geniessen.
Es gibt hunderte von Möglichkeiten, die Bay of Islands zu
erkunden - die meisten davon auf überfüllten Motor- oder Segelbooten. Während
wir die diversen Angebote durchstudierten, sahen wir uns beide kopfschüttelnd
an und wussten gleich, dass wir nicht auf eine solche Touri-Tour gehen möchten.
Nach längerem überlegen hatten wir die zündende Idee, einfach für ein paar Tage
ein Segelboot zu mieten und die Bay of Islands auf eigene Faust zu erkunden.
Die Idee klang für uns so toll, dass wir alles in Gang setzten, um an ein Segelboot
zu kommen - wir haben beide zwar vor etwa zwei Jahren den Segelschein auf dem
Vierwaldstättersee gemacht, jedoch hielt sich unsere Segelerfahrung in Grenzen
und auf dem Meer ist sowieso alles etwas anders. Wir "googelten" im
Internet nochmals die wichtigsten Wendemanöver, Seemannsknoten und Navigationsgrundsätze.
Mit ein wenig Anfänger-Segeljargon sowie unserem ungebrochenen Elan konnten wir
den Vermieter davon überzeugen, zwei Sachkundige und gewissenhafte Segler zu
sein. Mit Proviant für die nächsten 3 Tage und unserer Basis-Segelerfahrung im
Gepäck starteten wir zu einem dreitägigen Segeltörn. Da es in der Bay of
Islands viele Untiefen gibt, wurden wir mit einer guten Seekarte ausgerüstet,
welche sich vor allem bei der Suche nach geeigneten Schlafplätzen als sehr
nützlich erwies. Die Segeltour war sehr entspannend und definitiv eine gute
Entscheidung - so konnten wir diese besondere Region ohne Touristenhorden
erleben. Immer wieder haben wir den Anker rausgeworfen, um auf den grünen
Inseln zu wandern oder in den geschützten Buchten zu baden und zu schnorcheln.
Wir konnten auch immer wieder niedliche Zwergpinguine und spielende Delfine
sehen, die sich um das Segelboot versammelten. Um jeweils nicht an Land
schwimmen zu müssen, hatten wir ein kleines Plastikböötli mit zwei Ruder dabei.
Der Vermieter hatte uns vorgewarnt, dass das Umsteigen darauf nicht sehr
einfach sei - und tatsächlich haben wir die Leute in den umliegenden Booten mit
unserem ersten Umsteigemanöver unterhalten - ja wir haben uns sogar so blöd
angestellt, dass uns ein hilfreicher Neuseeländer mit seinem kleinen Motorboot
an Land schleppte. Wie auch immer - wir haben unsere Lektion gelernt, so dass
dieses Manöver die nächsten paar Male reibungsloser ablief.
Nach unserem Northland-Abstecher machten wir uns auf den Weg
in südlicher Richtung. Bei Goat-Island mussten wir unsere Fahrt schon bald
wieder unterbrechen. Uns wurde gesagt, dass dort einer der besten
Schnorchelspots in Neuseeland liegt. So stapften wir wacker ins ca. 20 Grad
kalte Wasser und haben die Unterwasserwelt beobachtet. Viel Kelp und viele
Fische (vor allem solche, die sich auch gut auf dem Teller machen würden -
dachten wir), alles in allem eine tolle Abwechslung, aber die bunten Fische im tropischen
Wasser sagen uns schon mehr zu. Weiter auf unserer Fahrt Richtung Süden
passierten wir den „Hot Water Beach“ und schöne Buchten auf der Coromandel
Halbinsel. Der Hot Water Beach ist eine beliebte Touristenattraktion, dank den
heissen Quellen, die sich direkt am Strand befinden. Man muss (bei Ebbe) nur
ein Loch in den Sand graben, so dass das heisse Wasser aufsteigen und den ausgegrabenen
"Private Spa Pool" füllen kann. Dabei ist es wichtig, dass auch etwas
kaltes Wasser vom Meer in das ausgegrabene Loch fliesst, denn das Quellwasser
ist so heiss, dass man sich leicht die Füsse verbrennt. So verbrachten wir (wie
viele andere) den ganzen Morgen damit, uns einen eigenen Hot-Pool zu graben und
zu "unterhalten" (denn dieser wird immer wieder von den Wellen
angegriffen).
Ein Abstecher nach Hobbiton durfte natürlich nicht fehlen.
Wie der Name verrät, kann in Hobbiton das Movie-Set von Peter Jackson's
"Lord Of The Rings" & "The Hobbit" besichtigt werden.
Die geführten Touren durch das Hobbitland sind nicht ganz günstig und man ist
nicht alleine da. Dennoch kommt so einiges vom "Middle Earth Spirit"
rüber - man fühlt sich schon fast wie in den Film hineinversetzt. So gibt es
dort nicht weniger als 44 Hobbitlöcher und viele kleine hübsche Gärtchen zu
sehen. Da dies eine beliebte Touristenattraktion ist, werden die Gärtchen
täglich gepflegt. Die Pflanzen und Bäume (z.b. Kürbispflanzen, Apfelbäume etc.)
werden ganzjährig in Gewächshäusern in der Nähe von Hobbiton grossgezogen und
in das Movie-Set detailgerecht eingepflanzt. So finden sich in den kleinen
Gärtchen reife Äpfel und Kürbisse, auch wenn gerade nicht die richtige Saison
ist. Ebenfalls interessant war es zu erfahren, dass ein künstlicher Baum, genau
nach der Vorstellung des Regisseurs, in mühsamer zweijähriger Arbeit
angefertigt wurde. Der Baumstamm und die dazugehörigen Äste wurden aus Stahl
hergestellt und die künstlichen Blätter wurden alle einzeln am Baum befestigt.
Andere Bäume (z.B. Apfelbäume) in Hobbiton werden regelmässig
zurückgeschnitten, um einen Miniatur-Effekt zu erzielen. Es war wirklich
interessant, etwas mehr über dieses Movie-Set zu erfahren. Vor allem die Liebe
für das Detail hat sehr beeindruckt.
Ein Highlight auf der Nordinsel war sicherlich der Tongariro
Alpine Crossing: Die rund siebenstündige Wanderung führt durch eine karge
Vulkanlandschaft mit einem Panorama das seinesgleichen sucht. Die Vulkane in
dieser Gegend sind immer wieder aktiv, so stieg hier und dort schon mal ein
fauliger Schwefelgeruch in die Nase. Anfänglich sah das Wetter nicht sehr gut
aus - bei dickem Nebel liefen wir früh morgens los, doch um die Mittagszeit
verschwand der Nebel und das einmalige Panorama um den Vulkan Mount Ngauruhoe
kam zum Vorschein. Der eine oder andere mag diesen Vulkan erkennen - es handelt
sich dabei um den sogenannten Schicksalsberg - ebenfalls eine Film-Vorlage für
Lord Of The Rings. Da wir keine Ringe zum reinwerfen hatten (wir haben ja erst
geheiratet), verzichteten wir auf die Zusatzwanderung zum Vulkankrater und
wanderten stattdessen auf den Gipfel des Mt. Tongariro, wo wir eine
spektakuläre Aussicht genossen.
Bis anhin hatten wir ziemlich grosses Glück mit dem (sonst
so launischen) Neuseeland-Wetter. Ein kleiner Dämpfer verleite uns der
tropische Wirbelsturm "Lusi", welcher von der Südsee her auf
Neuseeland traf. Da bereits im Vorfeld Wetterwarnungen ausgerufen wurden,
wussten wir, was auf uns zukommt, so dass wir uns für zwei Tage nach Napier an
die Ostküste verzogen - gemäss unseren Recherchen sollte da der Sturm nicht
allzu heftig ausfallen. Dennoch war es auch da ziemlich windig und regnerisch.
Da Napier an der Hawke's Bay liegt (eine bekannte Weinregion Neuseelands)
hatten wir bereits unser Schlechtwetterprogramm beisammen - Winetasting und
Stadtbesichtigung. Napier beeindruckt vor allem wegen der Art-Déco Architektur.
Sämtliche Gebäude im Zentrum der Stadt sind im 30er-/40er-Jahre Stil gehalten.
Bestimmt nicht jedermanns Geschmack, aber die Pastelltöne der Häuser haben
trotzdem eine gewisse beruhigende Wirkung - also genau das Richtige bei einem
Sturm. Auch beruhigend wirkte unsere Weintour - Neuseeland mag zwar (noch)
nicht sehr bekannt sein für seine Weinproduktion, doch gibt es ein paar
wirklich feine Tropfen. Es werden sämtliche Rotwein-Trauben angepflanzt (das
Klima ist sehr mild und im Sommer warm genug) und natürlich auch
Weisswein-Trauben wie Sauvignon Blanc, Chardonnay, Riesling und Pinot Gris. Vor
allem der neuseeländische Sauvignon Blanc überzeugte uns zu 100% - mmmhh...
Als der Sturm vorbei war, fuhren wir nach Rotorua. Der
Geschmack nach faulen Eiern, der die ganze Stadt umhüllt, kam uns irgendwie
bekannt vor. Tatsächlich gibt es in und um Rotorua unzählige Thermalquellen,
Hot Pools und Geysire. Es handelt sich um ein geologisch ziemlich aktives
Gebiet, da die pazifische und die australische Platte da zusammentreffen. Wir
besichtigten die Thermalquellen Wai O Tapu und Orakei Korako: Geysire,
farbenfrohe Pools, dampfende Quellen und Schwelfelterrassen standen den ganzen
Tag auf dem Programm. Hier einige Bilder von unsern Ausflügen:
Ebenfalls ein Highlight in Rotorua war der Bike-Park in den „Redwood
Forests“. Wir mieteten uns Mountainbikes und unternahmen eine Tour durch die
unzähligen Singletrails im dichten Wald. Jeder Singletrail (sechs
Schwierigkeitsgrade!) ist beschildert und trägt einen individuellen Namen. Die
Trails sind meist nur in eine Richtung befahrbar und Wanderer dürfen diese Wege
nicht benutzen - wir konnten somit ungehindert in die Pedalen treten. Auch für
Nicht-Bike-Enthusiasten ein super Erlebnis. Die beanspruchten Muskeln haben wir
dann am Abend im Spa etwas aufgelockert.
Der vorest letzte Stopp auf der Nordinsel war Wellington -
die Hauptstadt Neuseelands. Die Stadt ist ziemlich beschaulich, aber trotzdem
belebt. Neben dem Museum und den verschiedenen Lookouts war für uns vor allem
das Doppelkonzert von Queens Of The Stone Age und Nine Inch Nails ein Highlight.
Von Wellington aus überquerten wir am nächsten Tag mit der Fähre die "Cook
Strait" - die spektakuläre Landschaft bei der Anfahrt zur Südinsel sah
bereits vielversprechend aus - wir freuen uns darauf!