Geplant
war, dass wir mit unserem
kleinen Camper dieses Mal "nur" den Südwesten Australiens abrattern,
doch haben wir umentschieden und sind von Perth bis Adelaide gefahren. Die Zeit
in Australien war ausreichend, damit wir auch eine längere Route machen konnten
und zudem ist es einfacher und günstiger von Adelaide nach Neuseeland zu
fliegen, wo unsere Reise weitergeht. Unsere Zeit in Australien war toll, es gab
viele Highlights, hier werden wir aber gezielt nur einige davon erwähnen, sonst
seid ihr übermorgen immer noch mit lesen (und wir mit schreiben) beschäftigt.
Nachdem wir in Perth angekommen sind, unseren Camper und das
hinterlegte Päckli von Martina und Thomas in Empfang genommen haben (danke
euch, wir haben schon einigen selbstgefangenen Fisch verspeist), mussten wir
zum "Big Day Out" düsen. Dies ist ein Open Air Konzert, welches
jährlich in allen grossen Städten Australiens stattfindet. Im Vergleich zu den
Festivals in der Schweiz spielen hier etwa 3x so viele Bands auf diversen
Bühnen, jedoch nur an einem einzigen Tag. So muss das Programm gut studiert
sein, sonst hat man schnell was verpasst. Zudem geht’s hier definitiv weniger
ausgelassen zu und her, beim Eingang wird man von einem Hund abgeschnuppert und
genau durchkontrolliert und trinken (Alkohol) darf man nur in abgesteckten Zonen.
Wer sich ein wenig auffällig benahm, wurde kurzerhand ziemlich rabiat vom
Gelände raustransportiert. So sassen wir hin und wieder in einer
"Trink-Zone" genüsslich bei einem Bier und haben die Verfolgungsjagd
der Security beobachtet... Ähnlich wie "Räuber und Poli" - ziemlich
amüsant. Wir sind aber froh, läuft das bei uns in der Schweiz etwas gelassener
ab. "Portugal The Man" und " The Hives" waren toll, aber
der Knüller war dann das Konzert von "Pearl Jam". Eddie Vedder und
seine Band haben voll überzeugt!
Nachdem unsere Ohren mal wieder mit etwas Musik verwöhnt
wurden, konnten wir bei bester Laune in Richtung Süden starten. In Margaret
River haben wir tolle Weine probiert. Diese Weinregion ist eher klein (für
australische Verhältnisse) und produziert so ziemlich jede Sorte Wein. Die
Landschaft ist sehr idyllisch. Danach sind wir an die Küste, wo wir mit dem
bereits errungenen Bodyboard die ersten Wellen in Angriff nahmen. Das Wasser
ist mit gut 20 Grad (im Sommer) zwar eher kühl, aber die Küsten und Strände im
Südwesten Australiens locken trotzdem mit ihrer Schönheit und dem glasklaren
Wasser. Für die Interessierten folgt nach diesem Blog-Eintrag eine Rangliste
mit unseren favorisierten Stränden und Buchten...
Etwas weiter südlich haben wir in den "Karri
Forests" ein paar Spaziergänge gemacht. Diese Wälder bestehen vorwiegend
aus Karri Trees (diese sind sehr hoch) und Tingle Trees (diese sind sehr
breit). Diese knorrigen Eukalyptus-Wälder sind im Südwesten verbreitet und es
besteht auch die Möglichkeit ein paar wenige der Karri Trees zu besteigen. Die
Bäume und die dazu gehörenden Leitern reichen bis auf 70 Meter. Die Leitern,
welche wie riesengrosse Nägel um den Baum herum in diese schwindelerregenden
Höhen führen, wurden ehemals erstellt, damit von dort aus Buschfeuer früh genug
erkannt werden konnten. Die Bäume waren also als "Spähtürme" gedacht.
Da man nicht nur Feuer von dort oben sehen kann, sondern auch sonst einen
tollen Ausblick geniesst (haben wir uns sagen lassen), wollten wir natürlich
auch da hoch. Leider ist unser erster, zweiter und auch dritter Versuch
gescheitert.... Wir sind zwar jedes Mal etwas weiter nach oben gekommen, aber
irgendwo auf 20 Meter war dann jeweils Schluss. Die Knie schlotterten und
irgendwie fühlten wir uns auch sonst etwas schwindlig in dieser Höhe. Die
Karri-Tree-Besteigung ist somit leider gescheitert, hier trotzdem ein paar
Bilder:
Auf unserem weiteren Weg hat sich das Wetter leider
zusehends verschlechtert. Da kam uns (gleich ein paar Kilometer vor Denmark)
"Swiss Annies Chocolate" gerade recht. Es handelte sich dabei um eine
kleines Anwesen, welches von einer Schweizerin (eben dieser Annie aus Langnau
im Emmental) und ihrem Mann bewohnt wird. Sie haben dort ein hübsches Café und
eine kleine Schoggifabrik aufgezogen. So haben wir uns den Tag mit ein paar
feinen Praline-Kreationen versüsst. Ach ja, und einen Wein haben wir auch noch
gekauft, der (wie sich dann herausstellte) auch ziemlich intensiv nach
Schokolade schmeckte.
In Denmark angekommen, zeigte sich dann doch noch die Sonne,
als wir die Hauptsehenswürdigkeiten im Nationalpark bestaunten: Die
"Elephant Rocks" und der "Greens Pool" waren im
Sonnenschein fantastisch anzusehen. Ein paar Tage später sind wir nach Albany
gefahren, worauf wir uns besonders freuten. Bereits bei einem früheren Besuch
in Australien waren wir von dieser Stadt und vor allem von den darum liegenden
Buchten und Stränden enorm angetan. Leider war das Wetter an der Küste ziemlich
unbeständig und sehr windig. Unsere weitere Reise sollte uns nach Esperance
führen. Als wir jedoch den Wetterbericht studierten und ein länger andauerndes
Hoch erst in ein paar Tagen angesagt war, entschieden wir uns, die Küste zu
verlassen und ein wenig ins Landesinnere zu reisen. Im "Stirling Range
Nationalpark" unternahmen wir zwei schöne Wanderungen, unter anderem auf
den höchsten Gipfel Südwestaustraliens (mit gerade mal 1200 Metern über Meer
für uns Schweizer ein etwas grösserer Hügel). Auf dem Gipfel angekommen, wurden
wir jeweils mit einer 360-Grad Rundumsicht auf die bewaldeten Berge und Täler
verwöhnt.
Das mit dem Wetter war ein wenig verhext. Eigentlich sollte
der Februar im Süden Australiens der wärmste Monat sein. Allerdings war es
immer wieder recht kalt (vor allem Abends). Auch die "Locals"
meinten, sie hätten solch kaltes Wetter mitten im Sommer noch nie erlebt. Somit
haben wir, neben unserem Inland-Ausflug, auch immer wieder Zeit mit Fischen
verbracht, als das Wetter wieder mal nicht so wollte, wie es sollte. In
Australien darf man nämlich ohne spezielle Kenntnisse oder Patent im Meer
fischen. Unsere Ausbeute war recht gut, wir konnten doch einige Abendessen mit
selbstgefangenem Fisch geniessen.
Nach ein paar Tagen war doch für eine längere Zeit stabiles
Wetter angesagt und wir machen uns auf den Weg nach Esperance und zum Cape Le
Grand Nationalpark. Die Landschaft hier ist wirklich traumhaft: Die Strände
sind schneeweiss, der Sand wie Puderzucker und das Meer verläuft von
türkisfarben bis ins tiefblau. Darum herum sind immer wieder Granitfelsen in
der Landschaft verstreut, welche das Gesamtbild abrunden. Viele Strände sind
praktisch menschenleer, dafür liegen die Kängurus da und geniessen die Ruhe und
das Rauschen des Meeres. Wir haben ja schon einige schöne Strände und Buchten
gesehen und sind deshalb schon etwas verwöhnt, aber diese Menge an Schönheit
rund um Esperance ist einfach atemberaubend. So sind wir bei bestem Wetter dann
auch fast eine Woche dort verweilt, eigentlich so lange bis unser Kühlschrank
(durch zu langes Herumstehen mit entladener Autobatterie) wieder mal nach Strom
rief. Die Woche in Esperance war sicher ein Highlight unserer Reise.
Nach Esperance (in östlicher Richtung) könnte man eigentlich
sagen, dass (West-)Australien fertig ist... Ist es aber nicht, es folgt das
Nullarbor Plateau. Wahrscheinlich haben nicht viele Einheimische diese Gegend
bereist - soviel konnten wir in etwa den Blicken der Locals jeweils ablesen.
Die meisten staunten nicht schlecht, als wir erzählten, dass wir von Perth bis
Adelaide durchfahren. Von Norseman bis Ceduna (Anfang bis Ende dieser Strecke)
sind es rund 1200 Kilometer. Die Strasse führt durch ziemlich kahles Gelände
und geht praktisch nur geradeaus. Hier findet man beispielsweise die längste
"kurvenlose" Strasse Australiens sowie eine (spiegelglatte) kahle
Ebene, wo keine Bäume wachsen (deshalb: "Null-Arbor"). Die Landschaft
ist trotzdem beeindruckend - halt mal etwas anderes. Die Küsten sind wie
Kuchenstücke abgeschnitten und das Meer peitscht ziemlich rau an die steilen
Kliffs. Neben uns haben aber noch diverse andere "Verrückte" das
Nullarbor-Plateau passiert. Wir sahen Velofahrer, Pferdekutschen, Jogger und
sogar Wanderer. Da soll noch einer sagen, wir seien verrückt! Wir hatten
zumindest ein Auto...
Irgendwann in der zweiten Hälfte des Nullarbor-Plateaus
haben wir die Grenze von Westaustralien nach Südaustralien erreicht. Im Baird
Bay lernten wir ein nettes, älteres Paar aus Australien kennen, das uns ein
paar gute Tipps zum Fischen gab. Leider war dort das Wasser zu flach, so dass
man nur mit einem Boot an die grösseren Exemplare herankommen konnte. Unser
Erfolg blieb somit leider aus. Aus Mitleid (oder so...) schenkte uns das ältere
Pärchen ein paar Fische und wir kamen doch noch zu einem feinen Nachtessen. Die
Fische waren sogar schon filetiert und somit direkt essbereit - da soll noch
einer sagen, die Australier seien nicht grosszügig! Am nächsten Tag (ebenfalls
in Baird Bay) gönnten wir uns einen Ausflug mit Ecotours. Wir sind mit einem
kleinen Boot rausgefahren und konnten mit Delfinen und Seehunden schnorcheln.
Da dies alles in der freien Natur geschah, gab es keine Garantie, dass die
Tiere auch da sind. Wir hatten aber Glück: die Delfine, wie auch die Seehunde
sind zahlreich erschienen und mit uns geschwommen. So ganz wohl bei der Sache
war uns aber nicht... Ein Guide von uns hatte ein kleines Gerät um den
Fussknöchel - angeblich ein sogenanntes "Sharkshield" - welches
mittels elektrischer Strahlung die Haie vertreiben sollte. Die Südküste
Australiens ist nämlich das Wohngebiet des weissen Hais. Es gibt Touristen, die
kommen nach Südaustralien, um "Cage Diving" zu betreiben - also in
einem Käfig mit den weissen Haien zu tauchen. Und dies nur ein paar Kilometer
von Baird Bay entfernt. Naja, jedenfalls war der Ausflug fantastisch und es hat
sich gelohnt, dass wir uns ins Wasser wagten.
Eine Reise durch Südaustralien ist (zumindest für jene, die
ein klein wenig an Wein interessiert sind) nicht komplett, ohne den Besuch
einer der zahlreichen Weinregionen. In der eher kargen und trockenen
australischen Landschaft erscheinen diese Weingüter und Weintäler wie grüne
Oasen. Auch ist es hier in Australien üblich, dass man ohne Anmeldung bei den
Weinproduzenten vorbeischauen und (ohne irgendwelchen Kaufzwang) den grössten
Teil des Sortiments probieren kann. Neben der wohl bekanntesten Weinregion
Australiens, dem Barossa Valley (das "zu Hause" von Penfolds, Peter
Lehmann, Chateau Tanunda etc.) haben wir auch das McLaren Vale und das Clare
Valley besucht. Die zwei erstgenannten Regionen sind weltbekannt für die hervorragenden
kräftigen Shiraz-Weine, während im Clare Valley mehr auf Riesling gesetzt wird.
In einer internationalen Weinprämierung wurde im Jahre 2010 übrigens ein Wein
aus dem Clare Valley zum weltweit besten Riesling gekürt (wir konnten zwar nur
den "Nachfolger" des Gewinners probieren, aber der war schon ziemlich
gut). Es war sehr interessant zu erfahren, dass immer wieder Neues ausprobiert
wird - so verkaufen die Australier (neben den "Klassikern" wie Shiraz
und Cabernet Sauvignon) seit ein paar Jahren zunehmend Weine, die aus Trauben
wie Sangiovese, Tempranillo, Touriga, Malbec, ja sogar Barbera hergestellt
wurden. Auch wenn diese Weinreben noch eher jung sind, waren die Ergebnisse
doch schmackhaft.
Während unseren letzten paar Australien-Tage haben wir die
Yorke-Halbinsel erkundet. Ein Highlight war da sicherlich der Innes
Nationalpark mit den rauen Steilküsten, die sich mit goldenen Stränden und
schönen Buchten abwechseln. Aber auch an Land liefen uns immer wieder Kängurus
und Emu-Familien über den Weg. Ansonsten ist die York-Halbinsel vor allem für
das Fischen bekannt. Zwar haben wir einige Fische gefangen (und verspeist),
doch haben wir es nicht geschafft, die angeblich vielen Calamari rauszuziehen -
sie verschlangen unsere Köder, ohne sich an den Haken zu hängen. Tja,
vielleicht haben sie inzwischen gelernt, dass so ein Haken gefährlich sein
kann...
Auch wenn die Wetterkapriolen etwas aussergewöhnlich und die
Preise im Vergleich zu früher deutlich höher waren, hat uns der
Australien-Ausflug sehr gut gefallen. Bald reisen wir aber in das Land
"Under Down Under" - also schaut wieder mal rein für die neusten
News... Und nicht zuletzt wünschen wir (etwas verspätet) eine rüüdige Fasnacht
2014 - dieses Mal leider ohne uns, aber im 2015 sind wir dann wieder mit
dabei *freu* :-)
Bilder sagen bekanntlich mehr als lange Umschreibungen. Wie
versprochen also noch die Bilder unserer „Top 7“ Strände von Südwestaustralien (es
gäbe natürlich noch viel mehr davon…)
7. Platz: Shelley Beach (bei Albany): Sehr schöner
Schlafplatz (Camping direkt am Meer)
6. Platz: Mandalay Beach (bei Denmark): Menschenleer und rau
5. Platz: Elephant Rocks (bei Denmark): Schöne
Granitformationen und glasklares Wasser
4. Platz: Lucky Bay (Cape Le Grand NP): Puderzuckerweisser Sand
und Kängurus
3. Platz: Little Beach (Two Peoples Bay): Kleiner Geheimtipp
(jetzt nicht mehr…)
2. Platz: Twilight Beach (bei Esperance): Wurde zu „Australia’s
best beach“ gekürt.
1. Platz: Wirklicher Geheimtipp ;-)
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