Mittwoch, 15. Januar 2014

Auf den Spuren der Muskatnuss

Wir hatten uns eine nicht ganz einfache Aufgabe gestellt: Wir wollten während unserem Molukken-Aufenthalt unbedingt die Banda-Inseln besuchen, um dort an einem der besten Riffe Indonesiens zu schnorcheln und tauchen. Die meisten Molukken-Reisenden (von denen es nicht sehr viele gibt – man kennt mit der Zeit fast jeden „Touri“…) stellen sich diese Aufgabe und einige davon scheitern. Das Problem liegt darin, dass die Inselgruppe schlecht erschlossen ist. Bis Dezember 2013 gab es eine Fähre, die alle 2 Wochen auf den Inseln halt macht sowie eine weitere Fähre, welche monatlich bei den Bandas vorbeischipperte. Zusätzlich gab es noch sporadische Flüge in einem 14-Plätzer für umgerechnet günstige 28 CHF. Diese Flüge sind jedoch sehr unzuverlässig, haben immer wieder Triebwerkprobleme und fliegen nur bei gutem Wetter. Es war leider ein bisschen ungünstig, dass wir planten, im Januar die Bandas zu besuchen. Auf das neue Jahr wurde nämlich die monatliche Fährverbindung gestrichen (die Fähre war angeblich „zu alt“ und steht nun in der Werft) und die Flüge wurden für die nächsten 3-4 Monate eingestellt. Anscheinend wird diese Flugverbindung staatlich subventioniert und jedes Jahr aufs Neue ausgeschrieben. Bis jedoch eine Fluggesellschaft für diese Verbindung erkoren wird und die Verträge neu aufgesetzt sind, können einige Monate ins Land ziehen. Somit gab es also nur noch eine einzige Möglichkeit, auf die Bandas zu kommen, nämlich das eine Schiff, das die Bandas alle 2 Wochen von Ambon aus anfährt. Diese Fähre macht einen Rundkurs durch halb Indonesien und fährt dann 5 Tage später wieder von den Bandas nach Ambon zurück.

Als im 16. Jahrhundert erste europäische Seefahrer nach Banda kamen, begann der „Kampf“ um das Gold, welches da angeblich auf den Bäumen wuchs – es handelte sich bei diesem spriessenden „Gold“ um die Muskatnuss. Vor der Ankunft der Seefahrer waren die Banda Islands nämlich der einzige Ort auf der Welt, wo Muskatnuss von guter Qualität erzeugt wurde, denn dieses Gewürz braucht ganz besondere klimatische Bedingungen, um wachsen zu können. Es waren vor allem die Holländer, die den Muskatnuss-Handel auf blutige Weise an sich rissen. Als sie sieben der acht Inseln unter ihrer Kontrolle hatten, tauschten sie mit den Engländern sogar die noch letztverbleibende Insel gegen das heutige Manhattan (!!). 

Die Bandas haben also früher in der (Kolonial-)Geschichte eine wichtige Rolle gespielt. Heute ist dies nicht mehr so. Durch die zunehmende Verbreitung der Muskatnuss in tropischen Ländern mit ähnlichem Klima, hat diese massiv an Wert eingebüsst und die Bandas sind wieder zu einem friedlichen Fleck auf der Erde geworden. Nur noch die Kolonialgebäude und die holländischen Festungen erinnern heute an die geschichtsträchtige Vergangenheit.



Am 5. Januar fuhr dann endlich die Fähre zu den Bandas. Wir hatten die tiefste Klasse „Ekonomi“ gebucht (1. Klasse war ausgebucht und in der 2. und 3. Klasse gab es nur getrennte Schlafräume – also keine Männer und Frauen im gleichen Abteil). Als wir am Fährhafen ankamen, waren ganz viele Menschen da, die auch auf das Schiff wollten. Schon das Einsteigeverhalten der Indonesier liess vermuten, dass die guten Plätze ziemlich rar sein würden. Wir mischten uns somit auch in das Gedränge, hielten sämtliche Taschen fest (angeblich patrouillieren immer wieder Trickdiebe um den Fährhafen) und ergatterten uns auf dem obersten Deck ein Eckchen zum sitzen/liegen. Als das Schiff nach mitteleuropäischer Auffassung schon voll war, standen noch etliche Leute an, die auch aufs Schiff wollten. Wir stachen mit einer vierstündigen Verspätung abends um acht auf einer übervollen Pelni-Fähre ins Meer. Geschlafen wurde in der „Holzklasse“ einfach da, wo es noch Platz hatte – alle drei Decks sowie sämtliche Räume, Gänge,  ja sogar Treppen waren vollgepflastert mit schlafenden Menschen. An eine (längere) Benützung der Toilette war nicht zu denken – war aber auch nicht nötig, da wir um 4 Uhr morgens bereits in Banda angekommen sind. Ja, auch das mit dem Aussteigen ist so eine Sache in Indonesien. Anscheinend haben sie es hier nicht begriffen, dass es schneller und reibungsloser geht, wenn man die Leute zuerst raus- und danach erst die neuen Passagiere reinlässt. Man ist anscheinend der Überzeugung, dass simultanes Ein- und Aussteigen besser sei – das Gedränge ging wieder los... 




Als wir uns ein wenig ausgeschlafen hatten, offenbarte sich die ganze Schönheit des Banda-Archipels: Eine Insel, bestehend aus einem Vulkan bildet den Mittelpunkt der Szenerie – darum herum befinden sich kleine, hügelige und dichtbewaldete Eilande. Es leben nur gerade 22‘000 Menschen auf diesen Inseln und Touristen gibt es vergleichsweise wenige. Der Verkehr ist minimal (es gibt nur Motorräder und Bejaks – so nennt man die Velo-Rikschas in Indonesien). Gewohnt haben wir in einem schönen Guesthouse mit Meer- und Vulkansicht. Es hat nur wenige Sandstrände auf den Inseln – dies ist vielleicht auch ein Grund, weshalb 40 m Sicht unter Wasser da nicht die Ausnahme sondern die Regel sind. Auf der Hauptinsel haben wir somit gleich unsere ersten Banda-Schnorchelerfahrungen gesammelt. 


Mit dem Holzboot haben wir immer wieder Schnorchelausflüge zu den anderen Banda-Inseln unternommen: Die bunten und von Korallen dicht-bewachsenen Riffe enden hier meist in einer Steilwand, die senkrecht nach unten ins blaue Nichts abfällt: Immer wieder konnten wir Schildkröten, verschiedene Muränen, Napoleons, Barracudas, Seeschlangen sowie die üblichen verdächtigen Riffbewohner bei ihrem Streifzug beobachten. Teilweise sind die Fischschwärme so gross, dass das Ende kaum sichtbar ist. Auch der sehr seltene "Mandarinfisch" konnten wir durch unsere Schnorchelbrillen betrachten. Auf einem Schnorcheltrip sind wir sogar einer Delfinschule mit mehreren hundert Delfinen begegnet. Ein Ausschnitt von einem Video eines mitreisenden Kollegen ist hier zu sehen (Kamera auf „gut Glück“ ins Wasser gehalten):


Natürlich wollten wir auch etwas über die bewegende Geschichte der Bandas rund um die Muskatnuss erfahren. Abba, ein Einheimischer, der sich auf den Bandas so gut auskennt wie kein anderer, hat uns durch die Muskatnussplantagen und Dörfer der Insel „Banda Besar“ geführt und uns die Geschichte und kulturellen Gepflogenheiten etwas näher gebracht. Neben der Muskatnuss wachsen zahlreiche andere Gewürze auf den Inseln, die wir alle (frisch gepflückt) probieren konnten. Wäre das Wetter etwas besser, wären wir wohl 2 Wochen länger (also bis zur übernächsten Fähre) geblieben. Da jedoch im Januar auf Banda die „kleine Regenzeit“ ist (und auch der Tauchbetrieb teilweise eingestellt wurde), sind wir nach 5 Tagen zurück nach Ambon gereist – wieder in einer vollgestopften Fähre. 


Zurück in Ambon, haben wir am nächsten Tag gleich die Insel Seram angepeilt. Seram ist zwar auf der Karte nicht weit weg von Ambon, die Anreise zum kleinen Fischerdorf „Sawai“ im Norden der Insel dauerte aber doch ca. 10 Stunden: mit dem Bemo (so heissen hier die ÖV-Minibusse) ging es zur Fährstation auf der anderen Seite der Insel, danach mit der Fähre auf die Insel Seram, von der Fährstation wieder mit dem Bemo in die Stadt und in einem Kijang (ein grösseres Auto: 7-Plätzer) über die hohen Berge in den Norden der Insel. Danach sind wir in einem kleinen Holzboot direkt nach „Ora Beach“ zu unserem Bungalow, nur auf dem Bootsweg erreichbar, chauffiert worden. Die Bungalows liegen ziemlich spektakulär am Fusse der Steilen Felswände auf Stelzen im Wasser, direkt über dem Korallenriff. Wir mussten also nur vom Balkon hüpfen und schon waren wir mitten im Geschehen – Seeschlangen, Skorpionfische, Fledermausfische, Kofferfische, ein Makrelen Bait-Ball, ein Schwarm Büffelkopfpapageienfische und sogar eine Schildkröte schwammen mit andern Rifffischen gerade vor unserem Bungalow im Wasser herum. Neben den Schnorchelaktivitäten machten wir auch einen Ausflug mit einem „Local“ in seinem Fischerboot – er führte uns unter anderem zu einer beeindruckenden Flughunden-Kolonie, die eine ganze Mangroveninsel in Beschlag nahm.

















Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen