Wir hatten uns eine nicht ganz einfache Aufgabe gestellt:
Wir wollten während unserem Molukken-Aufenthalt unbedingt die Banda-Inseln besuchen,
um dort an einem der besten Riffe Indonesiens zu schnorcheln und tauchen. Die
meisten Molukken-Reisenden (von denen es nicht sehr viele gibt – man kennt mit
der Zeit fast jeden „Touri“…) stellen sich diese Aufgabe und einige davon
scheitern. Das Problem liegt darin, dass die Inselgruppe schlecht erschlossen
ist. Bis Dezember 2013 gab es eine Fähre, die alle 2 Wochen auf den Inseln halt
macht sowie eine weitere Fähre, welche monatlich bei den Bandas vorbeischipperte.
Zusätzlich gab es noch sporadische Flüge in einem 14-Plätzer für umgerechnet
günstige 28 CHF. Diese Flüge sind jedoch sehr unzuverlässig, haben immer wieder
Triebwerkprobleme und fliegen nur bei gutem Wetter. Es war leider ein bisschen
ungünstig, dass wir planten, im Januar die Bandas zu besuchen. Auf das neue
Jahr wurde nämlich die monatliche Fährverbindung gestrichen (die Fähre war
angeblich „zu alt“ und steht nun in der Werft) und die Flüge wurden für die
nächsten 3-4 Monate eingestellt. Anscheinend wird diese Flugverbindung
staatlich subventioniert und jedes Jahr aufs Neue ausgeschrieben. Bis jedoch
eine Fluggesellschaft für diese Verbindung erkoren wird und die Verträge neu
aufgesetzt sind, können einige Monate ins Land ziehen. Somit gab es also nur
noch eine einzige Möglichkeit, auf die Bandas zu kommen, nämlich das eine
Schiff, das die Bandas alle 2 Wochen von Ambon aus anfährt. Diese Fähre macht
einen Rundkurs durch halb Indonesien und fährt dann 5 Tage später wieder von
den Bandas nach Ambon zurück.
Als im 16. Jahrhundert erste europäische Seefahrer nach
Banda kamen, begann der „Kampf“ um das Gold, welches da angeblich auf den
Bäumen wuchs – es handelte sich bei diesem spriessenden „Gold“ um die
Muskatnuss. Vor der Ankunft der Seefahrer waren die Banda Islands nämlich der einzige
Ort auf der Welt, wo Muskatnuss von guter Qualität erzeugt wurde, denn dieses
Gewürz braucht ganz besondere klimatische Bedingungen, um wachsen zu können. Es
waren vor allem die Holländer, die den Muskatnuss-Handel auf blutige Weise an
sich rissen. Als sie sieben der acht Inseln unter ihrer Kontrolle hatten,
tauschten sie mit den Engländern sogar die noch letztverbleibende Insel gegen
das heutige Manhattan (!!).
Die Bandas haben also früher in der (Kolonial-)Geschichte eine wichtige
Rolle gespielt. Heute ist dies nicht mehr so. Durch die zunehmende Verbreitung
der Muskatnuss in tropischen Ländern mit ähnlichem Klima, hat diese massiv an
Wert eingebüsst und die Bandas sind wieder zu einem friedlichen Fleck auf der
Erde geworden. Nur noch die Kolonialgebäude und die holländischen Festungen
erinnern heute an die geschichtsträchtige Vergangenheit.
Am 5. Januar fuhr dann endlich die Fähre zu den Bandas. Wir
hatten die tiefste Klasse „Ekonomi“ gebucht (1. Klasse war ausgebucht und in
der 2. und 3. Klasse gab es nur getrennte Schlafräume – also keine Männer und
Frauen im gleichen Abteil). Als wir am Fährhafen ankamen, waren ganz viele
Menschen da, die auch auf das Schiff wollten. Schon das Einsteigeverhalten der
Indonesier liess vermuten, dass die guten Plätze ziemlich rar sein würden. Wir
mischten uns somit auch in das Gedränge, hielten sämtliche Taschen fest
(angeblich patrouillieren immer wieder Trickdiebe um den Fährhafen) und
ergatterten uns auf dem obersten Deck ein Eckchen zum sitzen/liegen. Als das
Schiff nach mitteleuropäischer Auffassung schon voll war, standen noch etliche
Leute an, die auch aufs Schiff wollten. Wir stachen mit einer vierstündigen
Verspätung abends um acht auf einer übervollen Pelni-Fähre ins Meer. Geschlafen
wurde in der „Holzklasse“ einfach da, wo es noch Platz hatte – alle drei Decks
sowie sämtliche Räume, Gänge, ja sogar
Treppen waren vollgepflastert mit schlafenden Menschen. An eine (längere)
Benützung der Toilette war nicht zu denken – war aber auch nicht nötig, da wir
um 4 Uhr morgens bereits in Banda angekommen sind. Ja, auch das mit dem Aussteigen
ist so eine Sache in Indonesien. Anscheinend haben sie es hier nicht begriffen,
dass es schneller und reibungsloser geht, wenn man die Leute zuerst raus- und
danach erst die neuen Passagiere reinlässt. Man ist anscheinend der
Überzeugung, dass simultanes Ein- und Aussteigen besser sei – das Gedränge ging
wieder los...
Als wir uns ein wenig ausgeschlafen hatten, offenbarte sich
die ganze Schönheit des Banda-Archipels: Eine Insel, bestehend aus einem Vulkan
bildet den Mittelpunkt der Szenerie – darum herum befinden sich kleine,
hügelige und dichtbewaldete Eilande. Es leben nur gerade 22‘000 Menschen auf
diesen Inseln und Touristen gibt es vergleichsweise wenige. Der Verkehr ist
minimal (es gibt nur Motorräder und Bejaks – so nennt man die Velo-Rikschas in
Indonesien). Gewohnt haben wir in einem schönen Guesthouse mit Meer- und
Vulkansicht. Es hat nur wenige Sandstrände auf den Inseln – dies ist vielleicht
auch ein Grund, weshalb 40 m Sicht unter Wasser da nicht die Ausnahme sondern
die Regel sind. Auf der Hauptinsel haben wir somit gleich unsere ersten
Banda-Schnorchelerfahrungen gesammelt.
Mit dem Holzboot haben wir immer wieder Schnorchelausflüge
zu den anderen Banda-Inseln unternommen: Die bunten und von Korallen dicht-bewachsenen
Riffe enden hier meist in einer Steilwand, die senkrecht nach unten ins blaue Nichts
abfällt: Immer wieder konnten wir Schildkröten, verschiedene Muränen,
Napoleons, Barracudas, Seeschlangen sowie die üblichen verdächtigen
Riffbewohner bei ihrem Streifzug beobachten. Teilweise sind die Fischschwärme
so gross, dass das Ende kaum sichtbar ist. Auch der sehr seltene "Mandarinfisch" konnten wir durch unsere Schnorchelbrillen betrachten. Auf einem Schnorcheltrip sind wir sogar
einer Delfinschule mit mehreren hundert Delfinen begegnet. Ein Ausschnitt von
einem Video eines mitreisenden Kollegen ist hier zu sehen (Kamera auf „gut
Glück“ ins Wasser gehalten):
Natürlich wollten wir auch etwas über die bewegende
Geschichte der Bandas rund um die Muskatnuss erfahren. Abba, ein Einheimischer,
der sich auf den Bandas so gut auskennt wie kein anderer, hat uns durch die
Muskatnussplantagen und Dörfer der Insel „Banda Besar“ geführt und uns die
Geschichte und kulturellen Gepflogenheiten etwas näher gebracht. Neben der
Muskatnuss wachsen zahlreiche andere Gewürze auf den Inseln, die wir alle
(frisch gepflückt) probieren konnten. Wäre das Wetter etwas besser, wären wir
wohl 2 Wochen länger (also bis zur übernächsten Fähre) geblieben. Da jedoch im
Januar auf Banda die „kleine Regenzeit“ ist (und auch der Tauchbetrieb
teilweise eingestellt wurde), sind wir nach 5 Tagen zurück nach Ambon gereist –
wieder in einer vollgestopften Fähre.
Zurück in Ambon, haben wir am nächsten Tag gleich die Insel
Seram angepeilt. Seram ist zwar auf der Karte nicht weit weg von Ambon, die
Anreise zum kleinen Fischerdorf „Sawai“ im Norden der Insel dauerte aber doch ca.
10 Stunden: mit dem Bemo (so heissen hier die ÖV-Minibusse) ging es zur
Fährstation auf der anderen Seite der Insel, danach mit der Fähre auf die Insel
Seram, von der Fährstation wieder mit dem Bemo in die Stadt und in einem Kijang
(ein grösseres Auto: 7-Plätzer) über die hohen Berge in den Norden der Insel.
Danach sind wir in einem kleinen Holzboot direkt nach „Ora Beach“ zu unserem
Bungalow, nur auf dem Bootsweg erreichbar, chauffiert worden. Die Bungalows
liegen ziemlich spektakulär am Fusse der Steilen Felswände auf Stelzen im
Wasser, direkt über dem Korallenriff. Wir mussten also nur vom Balkon hüpfen
und schon waren wir mitten im Geschehen – Seeschlangen, Skorpionfische,
Fledermausfische, Kofferfische, ein Makrelen Bait-Ball, ein Schwarm
Büffelkopfpapageienfische und sogar eine Schildkröte schwammen mit andern
Rifffischen gerade vor unserem Bungalow im Wasser herum. Neben den
Schnorchelaktivitäten machten wir auch einen Ausflug mit einem „Local“ in
seinem Fischerboot – er führte uns unter anderem zu einer beeindruckenden
Flughunden-Kolonie, die eine ganze Mangroveninsel in Beschlag nahm.
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