Wie es die Einfahrt mit der Fähre in die Marlborough Sounds vermuten liess, ist die Südinsel Neuseelands voller Naturwunder. Nach unserer Ankunft machten wir uns direkt auf den Weg nach Süden. Unsere Fahrt ging an diversen Weinfeldern und Kellereien vorbei. Doch da es schon später Nachmittag war und die Neuseeländer gerne gegen 16 Uhr in den Feierabend gehen, war alles bereits geschlossen. Mehr zu dieser Weinregion später im Blog.
Nach einem Overnight Stop im Nelson Lakes National Park
fuhren wir, durch tiefe Schluchten sowie vorbei an reissenden Flüssen und
spektakulären Berglandschaften, nach Franz Josef. Franz Josef ist ein ziemlich
touristischer Ort ganz in der Nähe des gleichnamigen Gletschers. Wir freuten
uns schon auf den gebuchten Heli-Hike zum Gletscher. Da das neuseeländische
Wetter sich jedoch wieder mal von seiner launischen Seite zeigte, musste der
Flug abgesagt werden. Als
Alternativprogramm sind wir zu Fuss los und machten mehrere kleine Wanderungen
rund um die Fox- und Franz Josef Gletscher.
Am nächsten Tag hatten wir Traumwetter und konnten die einzigartigen Gletscher
(welche fast bis auf Meereshöhe hinunter reichen) nochmals bei Sonnenschein bestaunen.
In Wanaka trafen wir Barbara und Ueli (Ueli hat mit Nici
studiert). Wir feierten dieses unerwartete Ereignis gleich mit einem ausgiebigen
Apéro und feinem Essen. Wir hatten uns nicht gerade den besten Tag für dieses
Treffen ausgesucht, da aufgrund eines regionalen Feiertags viele Bars und
Restaurants geschlossen waren. Nach längerem Suchen fanden wir doch noch ein
Refugium an einem warmen Kaminfeuer.
Nach der eher kurzen Nacht sind wir noch etwas „verspannt“
nach Queenstown aufgebrochen. Queenstown ist ein hübsches Städtchen, welches
sich voll und ganz auf Outdoor-Aktivitäten ausgerichtet hat. Von Bungee-Jumping,
Canyoning, Rafting, Ziptrek und Flying Fox bis hin zu Downhill Biken gibt es
hier ziemlich alles, was das Herz eines Adrenalinjunkies erfreut. Wir haben uns
jedoch für die weniger adrenalinhaltige Aktivität - das Wandern - entschieden
(wir sind ja nun verheiratet und dementsprechend vernünftiger geworden ;-)). Von den neun „Great-Walks“ in Neuseeland
(mehrtätige Wanderungen, die besonders viel Abwechslung und tolles Panorama
bieten), haben wir uns für den Routeburn Track entschieden. Dieser Wanderweg beginnt
etwa eine Fahrstunde von Queenstown entfernt, ist gut 35km lang und endet in
der Nähe des Milford Sound (natürlich kann man auch in die andere Richtung
laufen). Start- und Endpunkt der Wanderung liegen jedoch über 300
Strassenkilometer auseinander. Da wir nicht unbedingt zurückwandern wollten,
hatten wir ein logistisches Problem zu lösen. Ausserdem mussten die
Übernachtungen in den Berghütten vorreserviert werden, da diese in der
Herbstzeit noch ziemlich gut besetzt sind. Da wir also schon ziemlich viel im
Vorfeld organisieren mussten, waren wir an diesen Tagen auf schönes Wetter
angewiesen. Und prompt meinte es die
neuseeländische Wetterfee gut mit uns. Sonne pur und tolle Fernsicht! Wir waren
überwältigt von den vielen Seen, Wasserfällen und dem herrlichen alpinen
Panorama. Als wir am anderen Ende ankamen, waren wir froh, dass unser Auto dort
schon abfahrbereit auf uns wartete. Wir konnten jemanden finden, der unser Auto
von A nach B fuhr und uns die Sache dadurch ziemlich erleichterte.
Nach dem Zweitagesmarsch belohnten wir uns mit einer Bootstour durch den Milford Sound (ein Fjord im Süden der Südinsel). Wir schnappten uns gleich das erste Boot, welches am Morgen aus dem Hafen fuhr und waren nur zu sechst darauf. So konnten wir dem Touri-Rummel entkommen und die einmalige Morgenstimmung geniessen. Trotz dem wolkenverhangenen Wetter (Milford ist einer der regenreichsten Orte der Welt) war die Fahrt sehr spektakulär. Die steilen Abhänge und Berge sowie die hohen Wasserfälle, die direkt ins Meer stürzen sind wunderschön.
Auf dem Weg nach Osten passierten wir den unscheinbaren Ort
„Gore“. Naja, scheinbar war für uns eigentlich nur die grosse Forellenstatue am
Dorfeingang. Gore ist einer der besten Orte in Neuseeland, um Forellen zu
fischen. Voller Tatendrang holten wir uns eine Tageslizenz (dies ist in
Neuseeland notwendig, wenn man im Süsswasser fischen möchte) und suchten das
nächste Flussufer auf. Nach ca. 45 Minuten „rupfte“ es schon an der Angel und
eine schöne Forelle biss an. Diese war fast einen halben Meter lang und gab
reichlich was her für unser Nachtessen – yummy! Nun war der Jägerinstinkt
geweckt! Wir versuchten unser Glück ein paar Tage später erneut (in einem
Fluss, der Forellen und Lachse beheimatete), doch leider wollte niemand auf dem
Teller landen. Forelle 1 biss den Köder direkt mit der Schnur ab (sie war wohl
zu gross) und Forelle 2 machte zwar Bekanntschaft mit dem Ufer, schlüpfte uns
jedoch aus der Hand wieder zurück ins Wasser. Tja, Dummheit wird bestraft, wir
hätten wohl einen besseren Landeplatz für den Fisch wählen sollen…
Bei Dunedin (ein hübsches Städtchen an der Ostküste) wollten
wir die Gelbaugen-Pinguine sehen. Davon soll es auf der Südinsel nur noch etwa
400 wildlebende Exemplare geben. Diese kommen immer rund zwei Stunden vor
Sonnenuntergang von der Jagd zurück an den Strand zu ihren Nestern. Auf der
Otago-Halbinsel hatten wir leider kein Glück. Wir sahen zwar riesige Seelöwen,
die sich im Sand wälzten, aber von Pinguinen keine Spur. Dafür hatten wir in Oamaru
etwas mehr Glück. Ganze drei Stück konnten wir aus etwa 300m Entfernung
beobachten. Da die Pinguine sehr scheu sind, sollte man sich ihnen ohnehin
nicht zu sehr nähern. Trotzdem war es schön, eine so seltene Pinguin-Art beobachten
zu können.
In den kommenden Tagen wollten wir den höchsten Berg
Neuseelands, den Mount Cook (auf Maori: „Aoraki“ – der Durchbrecher der Wolken,
ca. 3700m hoch) sehen und in der Region wandern. Bereits die Anfahrt war sehr
eindrucksvoll: spiegelglatte Seen und wildes Bergpanorama in frischer, klarer
Luft – so wie man sich Neuseeland vorstellt. Wir entschieden uns, die Wanderung
zur Mueller Hut zu unternehmen. Die 1000 Höhenmeter, welche sich auf nur 5.2km Länge
verteilten, hatten es definitiv in sich. Bis zur Hälfte hat Nino 1899
Treppenstufen gezählt und danach ging es weiter auf (k)einem Wanderweg durch
ziemlich loses Geröll. Statt der budgetierten sieben Stunden hin und zurück,
haben wir die Wanderung in (netto) fünf Stunden geschafft. Somit blieb genug
Zeit für eine ausgiebige Mittagspause in der Mueller Hut bei traumhaftem
Wetter. Neben den zahlreichen Gletschern und Dreitausendern waren vor allem die
Gletscherabbrüche und Lawinenniedergänge, welche alle paar Minuten mit lautem Donnergrollen
von statten gingen, eindrucksvoll. Global-Warming lässt grüssen. Auch der
Tasman-Gletscher, welchen wir am nächsten Tag besichtigten, stimmte uns
diesbezüglich etwas nachdenklich. Durchschnittlich
schrumpft dieser Gletscher jährlich um rund 400-800m. Der dazu gehörende
Gletschersee war vor 20 Jahren noch inexistent und mit dickem Eis überdeckt.
Nach einigen wirklich sehr sonnigen Tagen schlug das Wetter
um. Somit schrieben wir den Heissluft-Ballonflug über die Canterbury-Plains ab
und dachten, dasselbe würde auch mit der Whalewatch-Tour geschehen. Doch wir
hatten mal wieder Glück und ein Sonnenloch zeigte sich, als wir in Kaikoura für
unsere gebuchte Tour eincheckten. Mit dem Katamaran stachen wir ins offene
Meer. Die See war sehr rau, so dass sich das Schiff in den Wogen der Wellen
mächtig auf und ab bewegte - definitiv nichts für Seekranke. Doch die Fahrt hat
sich geloht, wir konnten einen grossen Pottwal bei seinem Auf- und Abtauchmanöver
beobachten. Für uns jedoch spektakulärer waren die Schwarzdelfine. Diese
schwammen in Scharen um unser Boot und zeigten uns ihre besten Kunststücke und
Sprünge. Die marine Vielfalt in Kaikoura ist überwältigend. Dank zwei
zusammentreffenden Meeresströmungen und tiefen Canyons ist dies einer der
wenigen Orte auf der Welt, wo Pottwale so nahe an der Küste gesichtet werden
können. Zudem werden hier regelmässig Blauwale, Orkas, verschiedene
Delfinarten, Haie und zahlreiche Robben gesichtet. Auch der 18m lange Riesen-Kalmar
soll da angeblich leben (sonst hätte der Pottwal ja nichts zu fressen: http://www.planet-wissen.de/natur_technik/tiere_im_wasser/tiere_der_tiefsee/wissensfrage.jsp).
Nach der Umrundung der Südinsel waren wir wieder zurück in
der Marlborough-Region. Wir liessen es uns nicht entgehen, die Weine bei
verschiedenen Produzenten in der wichtigsten Weinregion Neuseelands zu degustieren.
Rotweine haben uns nur vereinzelt überzeugt, aber die Weissweine schmecken
absolut vorzüglich. Ja, Reisen eröffnet ganz neue Horizonte. Es ist davon
auszugehen, dass auch bei uns zukünftig mal ein Weisswein zur Hauptspeise
genossen werden kann. Das Aushängeschild von Marlborough scheint Sauvignon
Blanc zu sein. Einer der besten davon wird vom Produzenten „Cloudy Bay“
produziert (persönliche Meinung Nino).
Unsere geplante Neuseeland-Reise war nun mehr oder weniger
zu Ende. Bei stürmischem Wetter ging es mit der Fähre wieder zurück auf die
Nordinsel (dieses mal hätten auch wir fast mit dem weissen Tütchen
Bekanntschaft gemacht). Auf dem Weg nach Auckland machten wir einen Halt im
Egmont Nationalpark, wo wir nochmals einen Tag mit Wandern in der schönen Natur
Neuseelands verbrachten (leider bei Regen). Ein kleines Highlight am Schluss war noch unser Spontanbesuch der Höhlen "Waitomo" und "Ruakuri" mit den zahlreichen Gängen, Flüssen und natürlich: Glühwürmchen!
Neuseeland hat uns sehr gut gefallen. Die Landschaft mit den
vielen Bergen, Stränden, Seen, Vulkanen etc. ist einfach wunderschön und lädt
zu Aktivitäten in freier Natur ein. Hier und dort konnten wir Ähnlichkeiten mit
der Schweiz entdecken. Jedoch ist die Natur hier noch viel „wilder“ und die
Landschaft grösstenteils unverbaut. Gondelbahnen, die auf Berggipfel
hochfahren, gibt es fast keine (dementsprechend auch kein kaltes Plättli und
kühles Bier) – man muss sich die Aussicht also immer mit Muskelkraft erkämpfen
und seinen Proviant selber mitbringen.
Nun sind wir in Auckland und decken uns mit den wichtigsten
Utensilien für die kommenden Wochen ein. Wir werden uns wieder auf einfachere
Lebensbedingungen einstellen müssen. Betreffend unsere nächste Destination
haben wir gehört, dass dort die Männer kopfüber von selbstgebauten Türmen
springen. Mehr dazu gibt es bald wieder auf unserem Blog…
Tolle Fotos, schön geschriebene Beschreibungen - danke, dass ihr uns Daheimgebliebene damit versorgt ;-) Liebe Grüsse
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